Bulgarien: Zwischen hohen Gipfeln und feinen Sandstränden
Der Berufsurlauber unterwegs auf dem Balkan
Es ist lange her, sehr lange her, dass ich das letzte Mal in Bulgarien war. Und das, obwohl das kleine Land auf dem Balkan doch einst ein Sehnsuchtsziel war, zumindest für uns, die wir im Osten Deutschlands aufwuchsen. Und aus dieser Zeit stammen auch meine persönlichen Erfahrungen mit Bulgarien. Mein letzter und einziger Besuch hier ist auf den Sommer 1980 zu datieren. Da hieß das Land noch Volksrepublik Bulgarien und war eines der wenigen Länder, die auch wir Einwohner der ehemaligen DDR bereisen konnten. Über diese Reise, damals war ich gerade 17 Jahre jung, so wie mein Enkel Leon heute, will ich heute gar nicht berichten. Auch wenn es manche interessante und spannende Geschichte zu erzählen gäbe. Es geht um Bulgarien heute. Gehört es wieder auf die touristische Schumann Reisen Landkarte? Wie sind Hotels, Infrastruktur und Kulinarik zu bewerten? Deshalb bin ich hier – das möchte ich ganz unvoreingenommen herausfinden. Und ganz nebenbei, die besten Hotels und Restaurants für Schumann Gäste finden.
Lufthansa bringt mich bequem und schnell nach Sofia. Hier in der Hauptstadt lande ich am frühen Abend. Schnell übernehme ich mein kleines Mietauto und fahre in die Stadt. Nach ausgiebiger Vorabrecherche entschied ich mich für ein kleines Boutique Hotel, es heißt Les Fleurs. Na ich bin gespannt. Es liegt mitten im Zentrum, direkt am Vitosha Boulevard, der schönsten Fußgängerzone der Stadt. Von hier aus würden wir uns die Stadt im Spaziergang erobern. Und so mach ich mich auf. Was wollen, was sollten die Schumann Gäste unbedingt sehen?
Im Zentrum von Sofia, umgeben von zahlreichen Grünflächen, befindet sich das prunkvolle Nationaltheater Iwan Wasow. Die neoklassizistische rote Fassade wird ergänzt von weißen Säulen und Stuck. Schon nach wenigen Minuten bin ich da – ein wundervolles Gebäude. Weiter zu einer einmaligen Kirche, zur Alexander-Newski-Kathedrale. Es ist die größte orthodoxe Kathedrale der Balkanhalbinsel. Eine cremeweiße Fassade, bestückt mit hellgrünen und goldfarbenen Kuppeln: Die Alexander-Newski-Kathedrale ist nicht nur eines der bekanntesten, sondern auch eines der schönsten Gebäude in Sofia. Eines der Wahrzeichen der Stadt. Auf meinem Weg durch die Hauptstadt fällt mir immer wieder Straßenkunst ins Auge. Modern und klassisch, farbenfroh, knallbunt oder als Fotografie. Immer wieder staune ich vor den Kunstwerken. Diese Stadt versprüht ein besonderes Flair. An beinahe jeder Ecke sehen ich mich mit Überresten der bulgarischen Geschichte konfrontiert. Immer im Blick: das Vitosha-Gebirge, das sich um die bulgarische Hauptstadt schmiegt und eine beeindruckende Kulisse darstellt. Fast hätte ich meine Lieblingsbeschäftigung auf Reisen vergessen: kulinarischer Genuss. Das gehört zu jeder Reise dazu, die Köstlichkeiten der Region. Ich sitze also zum Ausklang des Tages im schattigen Biergarten des „Lampata“, einem der hippen Hauptstadtrestaurants mit bodenständiger, leckerer Küche. Tomaten, Gurken und bulgarischer Käse – kurz Schopska Salat, ganz modern interpretiert und absolut lecker. Übrigens in meinem geräumigen Zimmer im gewählten Hotel habe ich tief und fest geschlafen – das Hotel können wir nehmen, denn auch das Frühstück am nächsten Tag ist prima.
Früh am Morgen mach ich mich auf. Es geht in die Berge. Mehr als 1000 Jahre alt und UNESCO Welterbe seit 1983 – das Rila Kloster, mein erster Höhepunkt des Tages. Wie aus einer anderen Welt erhebt sich das Rila-Kloster inmitten der wilden Berglandschaft Bulgariens. Mächtige Steinmauern und kunstvolle Fresken fangen den Blick – und lassen die Zeit stillstehen. Der Duft von Weihrauch mischt sich mit der klaren Bergluft, während alte Geschichten leise aus den Mauern zu sprechen scheinen. Seit Jahrhunderten ist dieser Ort ein spiritueller Rückzugsort – still, kraftvoll und lebendig zugleich. Hier geht die Stille unter die Haut.
Ich wandere noch ein wenig im dichten Wald des Gebirges. In einem kleinen Gasthaus kehre ich ein. Für wenige Lew (noch gibt es die bulgarische Währung Lew – ab 2026 bezahlen wir hier mit Euro) bekomme ich Tomatensalat (eines meiner Leibspeisen auf dem Balkan) und gegrillten Bauernkäse, lecker, lecker! Mittlerweile gießt es draußen wie aus Eimern. Die Luft hat sich von gerade noch 30°C auf 13°C abgekühlt – ich bin halt in den Bergen, immerhin auf rund 1.400m Höhe. Vom Rila ins Pirin Gebirge. Undurchdringlicher üppig grüner Mischwald begleitet mich auf meiner Fahrt. In den Tälern gurgeln klare Bergbäche. Die Straße schlängelt sich hinauf und wieder hinunter, gleich einer Achterbahn.
Am Fuß des majestätischen Pirin-Gebirges liegt Bansko – ein Ort, der Tradition und Abenteuer auf einzigartige Weise vereint. Kopfsteinpflastergassen, schwere Steinhäuser mit Holzbalkonen und der Duft von Gegrilltem in der klaren Bergluft. Im Winter lockt das Skigebiet, im Sommer führen Wanderwege tief hinein in das UNESCO-geschützte Pirin-Gebirge. Ich werde im Kempinski Hotel Grand Arena erwartet. Sogar der Hoteldirektor Rene Detzen, übrigens ein Landsmann, lässt es sich nicht nehmen, mich zu begrüßen. Gern nehme ich die Einladung zum ausführlichen Rundgang an. Die Zimmer sind sehr geräumig und im alpinen Stil eingerichtet, es fehlt an nichts. Mehrere Schwimmbäder und Saunen laden zu Wellness Stunden ein. Restaurants für jeden Geschmack. Ich bin überzeugt, das ist das richtige Berghotel für Schumann Gäste. Zum Abendessen entscheide ich mich für das „Come Prima“. Ich starte wieder mit knackigem Salat und gönne mir Perlhuhn als Hauptgang – ein kulinarisches Erlebnis. Fantastisch!
Mit der Gondelbahn fahre ich bis auf gut 1600m hinauf. Zwei Sesselbahnen führen noch ganz hinauf zum Fuße der höchsten Gipfel im Pirin. Immerhin schraubt sich der Wichren 2914m in die Höhe. Damit ist er Bulgariens zweithöchster Berg. Das schaffe ich heute nicht, dafür fehlt mir leider die Zeit. Doch ein wenig wandern in dieser grandiosen Landschaft möchte ich schon. Also entscheide ich mich für den Fußweg zurück nach Bansko. Knapp 7 km durch dichte Wälder, entlang weiß schäumender Bergbäche und über blühende Wiesen. Vögel zwitschern, hin und wieder springt ein Reh über den Weg und in den steilen Berghängen kann ich sogar eine Gemse erkennen. Es lohnt sich also, der Fußweg hinab.
Gegen Mittag breche ich auf, lasse die Berge hinter mir und erreiche Plovdiv, die Stadt der sieben Hügel. Plovdiv ist eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Welt und gilt als die älteste Europas. Plovdiv ist über 6.000 Jahre alt. Ihre Ursprünge reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Gegründet wurde sie zunächst als thrakische Siedlung unter dem Namen Eumolpia. Ihr hohes Alter verdankt die Stadt ihrer strategischen Lage zwischen Flüssen, Hügeln und Handelsrouten – und ihrer Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. Sie fühlt sich auch heute lebendig an. Zwischen römischem Theater, farbenfrohen Häusern der Altstadt und moderner Streetart pulsiert Geschichte neben Gegenwart. Kopfsteinpflaster führt durch Gassen voller Kunst, Cafés und versteckter Innenhöfe. Auf den Hügeln weht der Wind durch Ruinen – und über allem liegt das Gefühl, dass die Zeit hier keine Eile hat. Und auch hier in Plovdiv genieße ich ein großartiges Abendessen. Solche kulinarischen Höchstleistungen hatte ich von Bulgarien tatsächlich nicht erwartet. Solche Überraschungen liebe ich.
Nun geht’s ans Meer, ans Schwarze Meer. Ich möchte das Finale der neuen Bulgarienreise gern nahe Nessebar mit unseren Gästen „feiern“. Auch fürs Schwarze Meer suche ich mir ein kleines Boutique Hotel. Das „Aphrodite“ liegt direkt am Südstrand von Nessebar – feiner Sandstrand und gleich dahinter ragt die Halbinsel der Altstadt wie ein Finger ins Meer hinein. Da will ich heute noch hin spazieren. Die Stadt thront auf dem Hügel wie ein lebendiges Freilichtmuseum: antike Mauern, mittelalterliche Kirchen und Balkontürme aus dem 18. Jahrhundert verweben sich hier zu einem Gesamtbild, das Bulgariens Geschichte auf engstem Raum erzählt. Einst thrakische Siedlung, griechische Kolonie und byzantinischer Bischofssitz – heute eine Stadt, in der über 40 Kirchen einst standen. Davon sind etwa zehn noch sichtbar, darunter Meisterwerke wie die Stephanskirche und Christus Pantokrator. Nessebar gehört auch zum Welterbe der UNESCO. Das scheint so manchen Restaurantbetreiber und Oberkellner auch zu Kopf gestiegen zu sein. „Nur etwas trinken? Das geht bei uns nicht. Nur eine Person, da haben wir keinen Tisch frei, gehen Sie doch in den Imbiss da.“ Nun ja, es gibt also auch unangenehme Überraschungen. Doch ich finde auch hier in Nessebar ein vorzügliches Restaurant mit freundlichen Menschen, nur ich musste hier tatsächlich recht lange suchen, unerwartet, wenn man doch auf Gäste angewiesen ist.
Im „Aphrodite“ bleibe ich zwei Nächte. Hier sind die Gastgeber freundlich, zuvorkommend und gästeorientiert. Frühstück und Abendessen lassen kaum Wünsche offen. Das „Aphrodite“ könnte das neue Schumann Hotel am Schwarzmeerstrand – Nessebar werden. Natürlich schaue ich mir noch weitere Strandhotels genauer an. Manche treffen auch meinen Geschmack, manche finde ich mittelmäßig und einige scheußlich. Im Internet oder aus Prospekten kann man das nicht herausfinden. Nur die Probe aufs Exempel ermöglicht verlässliche Entscheidungen. Denn wie heißt es doch bei uns: für die Schumann Gäste nur das Beste. In diesem Sinne – bis bald in Bulgarien.
Ihr Berufsurlauber