Guatemala – Land der Maya und Vulkane
Premiere mit dem Berufsurlauber
Ein Reisebericht von Thomas Schumann
Eine Premiere steht für mich an. Entsprechend aufgeregt steige ich in den Lufthansa Flieger in Richtung Mittelamerika. Das erste Mal in meinem langen Touristiker Leben (immerhin schon 36 Jahre reise ich durch die Welt und nenne mich Berufsurlauber) besuche ich GUATEMALA. Wie kann das sein? Weshalb war ich nie da? Das frage ich mich nun ernsthaft. Irgendwie blieb das Land zwischen Karibik und Pazifik, zwischen Mexiko und Honduras unter meinem persönlichen Radar. „Eine Schande ist das“ würde wohl Harris Whitbeck mir zurufen. Immerhin leitet er das Instituto Guatemalteco de Turismo, ist also oberster Touristiker des Landes. Naja würde ich entgegnen: „Vielleicht sollte er sich etwas mehr anstrengen, Guatemala in Europa und Deutschland bekannt zu machen“. Denn verdient hat dieses Land 100-mal so viel Aufmerksamkeit. Weshalb? Damit wäre sozusagen das Ergebnis meiner Reise bereits vorweggenommen.
Doch fangen wir mal ganz von vorne an.
Während meiner Mexiko Reise, die ich Anfang dieses Jahres begleitete, schwärmten mir zwei Gäste von Guatemala vor. Herr und Frau H. aus dem Holzlandkreis bereisten Guatemala vor einiger Zeit. Genauer gesagt zu Beginn der Pandemie – daher mussten sie dort auch unfreiwillig (zumindest sagten sie das so) verlängern. Bis Sie dann per Flieger nach Hause geholt wurden. Die beiden Gäste setzten den Samen. Und ich fragte mich dann wochenlang: „Wieso waren Schumann Gäste in Guatemala (und sie waren nicht die Einzigen wie ich erfuhr) und der Berufsurlauber bislang nicht? Ein Versäumnis. Ignoranz oder Blindheit?“. Nun ich weiß es nicht, jedenfalls war glasklar – eine Schumann Reise nach Guatemala muss kreiert werden. Also, der Berufsurlauber muss da hin, schleunigst.
Nun sitze ich also im Flieger. Seit langer Zeit in ein mir noch unbekanntes Land – Premiere also. Es ist tiefe Nacht in Mittelamerika, als der Flieger zur Landung ansetzt. Deshalb hatte ich auch ein Hotel direkt nahe dem Flughafen gewählt. Einreise, problemlos, schnell und freundlich. Zu Fuß sind es gut 10 Minuten in mein Domizil für die erste Nacht. Zu Hause ist es jetzt schon 6 Uhr am Morgen, klar da fallen mir die Äuglein gleich zu. Ohne Abendessen.
Früh am Morgen heißt es für mich raus aus den Federn, Frühstück im Sonnenlicht, Auto abgeholt und los geht mein Guatemala Abenteuer. Erste Station ist Antigua. Der Kolonialschatz des Landes. Zumindest was das Stadtbild und die Architektur betrifft. Deshalb gehört die Stadt auch zum UNESCO Welterbe. So wie drei Maya Stätten auch. Diese besuche ich noch in den nächsten Tagen. Antigua fühlt sich an wie eine Stadt zwischen Vulkanen und Vergangenheit. Morgens riecht die Luft nach Kaffee, feuchtem Stein und Holzrauch. Über den alten Kopfsteinpflasterstraßen hängen bunte Fassaden in Ocker, Rot und Türkis. In der Verlängerung jeder Straßenflucht taucht der Vulkan Agua auf, als gehöre er zur Stadt. Ich besuche mehrere Hotels hier in Antigua. Die meisten entstanden aus den Herrschaftshäusern der Kolonialherren oder aus Klöstern. Immer wieder begegnen wir die Zeugnisse der Spanier. Jedes Haus hat eine eigene Geschichte, jedes Zimmer erzählt von längst vergangenen Zeiten. Im Inneren verwöhnen üppige Gärten die Augen – Blumenduft zieht durch die Nase. Antigua betört mich. Wieso war ich noch nie hier, das sollte ich mich die nächsten Tage noch des Öfteren fragen.
Weiter führt mich meine Reise gen Norden. Mein nächstes Ziel erreiche ich erst kurz vor Sonnenuntergang. Trotzdem lässt mich der freundliche „Wächter“ von Quiriguá noch in sein Heiligtum ein. Immerhin eine der UNESCO Welterbestätten. Ich bin ganz allein mit den Geistern der Maya Herrscher hier. Einst ein wichtiges Macht- und Handelszentrum. Und ein Pol der Kunst. Einige der kunstvollsten und größten Monumente der Mayareiche findet man hier in Quiriguá. Ich bin fasziniert. Die steinernen Stelen wirken gewaltig und filigran zugleich. Denn die handwerkliche Arbeit der Darstellungen begeistert. Nach so vielen Jahrhunderten kann ich die meisten Darstellungen genau erkennen. Als wäre der Bildhauer eben erst fertig geworden. Üppige Vegetation umrahmt die Tempelreste und Stelen. Gewaltige Mahagonibäume schrauben sich gen Himmel, dazwischen blühende Bäumchen deren Namen ich nicht kenne. Ein schillernd bunter Tukan hüpft von Ast zu Ast. Weit oben im Himmel kreisen Geier. Langsam beginnt das Abendlicht zu leuchten. Zeit für meinen Aufbruch. Noch zwei Stunden Fahrt liegen vor mir. Durch Bananenplantagen und Mango Pflanzungen in Richtung Karibik. Immer wieder passiere ich kleine Dörfer. Kinder und bunt gekleidete Erwachsene winken mir freundlich zu. Dann endlich erreiche ich das Amatique Bay Hotel an der Karibischen See. Mehrere kleine Villen liegen weit verstreut im parkähnlichen Gelände des Hotels. Karibik Flair. Das gefällt mir gut. Blumen und Bäume bilden die Umrahmung. Das Restaurant wurde mit Schilf gedeckt. In luftiger Atmosphäre genieße ich mein Abendessen – heute ganz landestypisch schwarze Bohnen, Avocadocreme, Hühnchen und Mais. Mmmh lecker.
„Der Besuch von Tikal ist allein eine Reise nach Guatemala wert“ meinte Mel Gibson, der zu Dreharbeiten dort verweilte. Na ich bin gespannt. Heute will ich Tikal besuchen. Doch zunächst muss ich erst mal dort ankommen. Der Weg ist weit von der Karibikküste. Wieder säumen kleine Dörfer und Plantagen meinen Weg. Dann führt die Straße durch dichte tropische Regenwälder. Eine kleine Wanderung steht an. Die Luft ist heiß, die Sonne brennt. Doch die Urwaldriesen spenden schon nach wenigen Metern des Weges Schatten. Vogelgezwitscher und der Lärm von Brüllaffen füllen meine Ohren. Schon taucht vor mir der erste Tempel auf. Der Tempel des großen Jaguars – der berühmteste der Maya Tempel. Er dominiert gleichzeitig den Großen Platz, die Gran Plaza. Mehrere Tempel, Paläste und Pyramiden rahmen den Platz. Auch in Tikal wachsen neben oder auch auf den Gebäuden üppige Bäume und Sträucher. „Tikal galt als eine der wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Zentren des alten Maya Reiches. Heute finden wir hier die am besten erhaltene Zeugnisse und einige der gewaltigsten Tempelanlagen der Maya Kultur“ erklärt mir Juan, ein freundlicher Guatemalteke, der sich als Gästeführer verdingt. Mein Fazit? Mel Gibson hatte recht – Tikal allein lohnt den weiten Weg nach Guatemala. Ich bin sehr beeindruckt.
Langsam senkt sich der Nachthimmel über den tropischen Regenwald. Nach einer guten Stunde erreiche ich das Las Laguna Hotel. Es gilt als eines der besten Hotels des Landes. Die Lage allein, unmittelbar am See von Flores, ist grandios. Die Zimmer sind jeweils kleine Holt – Villen. Geräumig und mit einem privaten Hot-Pott ausgestattet. Vom Restaurant eröffnet sich mir ein umfangreicher Blick über den See. Zum Abendessen probiere ich von dem einheimischen Fisch – vom Feinsten. Wir sind uns schnelle einig, das Las Laguna gehört ins Schumann Reisen Programm.
So richtig Zeit, das selbst zu genießen bleibt mir leider nicht. Schnelles Frühstück und am frühesten Morgen zurück auf die Piste. Es liegen rund 600km vor mir bis zum Pazifik. Und 600km in Guatemala über zahlreiche Pässe, tausende Serpentinen und noch viel mehr Riesentrucks vor mir gibt Google maps mit rund 12h Fahrtzeit an. Dazu rechnen sich Pausen und fette Staus. Denn der Weg führt mich durch die Millionenmetropole Guatemala City, kurz Guate genannt. Hier quälen sich die Riesentrucks gemeinsam mit unzähligen Mopeds und sonstigen Gefährten durch teils enge und abenteuerliche Straßen. Und so ist es längst wieder dunkele Nacht, als ich endlich die Brandung des Pazifischen Ozeans hören kann. Monterrico heißt der Ort. Einst eines der vielen Fischerdörfer zwischen Mangrovenwald und Sandstrand lebt Monterrico heute auch vom Tourismus. Es gibt zahlreiche Restaurants und Bars, ein paar kleine Hotels und Gästehäuser. Weit entfernt vom Massentourismus, eher beschaulich und um Nachhaltigkeit bemüht. Ich habe mich für das Atelie del Mar entschieden. Violeta de Bjorkas, nebenbei passionierte Malerin, und Norma Mansilla, von ihr liebevoll Mam genannt, betreiben das kleine Urlaubsdomizil. Ich bin heute der einzige Gast. Dennoch bekomme ich noch ein spätes Abendessen. Mam brät mr einfach einen frischen Fisch und reicht leckeren Salat dazu – ehrlich lecker! Dann fallen mir heute echt die Äuglein zu. Ich bin geschafft und schlafe wie ein Baby.
Am Morgen, die Sonne geht gerade hinter dem Garten auf, treffe ich mich wieder mit den beiden Damen. Sie erzählen mir von den Schildkröten, die hier im feinen, schwarzen Sand ihre Eier ablegen. Zwischen September und Dezember schlüpfen dann die Babys und krabbeln um ihr Leben – hinein in die Fluten des Meeres. „Beim Schlüpfen könnt ihr dabei sein, wenn ihr mit Gästen in dieser Zeit nach Monterrico kommt. Bestimmt ein großartiges Erlebnis für eure Gäste“ so Violeta, die Künstlerin. Ich stimme ihr zu: „Das ist es, in Costa Rica können wir dieses Schauspiel auch erleben. Als ich das letzte Mal mit unserer Schumann Gruppe da war. Und ja, alle waren begeistert, betört und haben noch Tage davon geschwärmt“. Dann zeigen sie mir voller Stolz ihren Garten. Hier wächst alles, was das Herz so begehrt. Bananen, Mangos und Papayas. Dazu duftende Blumen – ein kleines Paradies. Und um den großen Swimmingpool gruppieren sich die 15 Zimmer. Einfach eingerichtet, selbst gebaute Möbel und ein bequemes Bett. Dusche, Bad und eine gut funktionierende Klimaanlage (die braucht man hier – das Thermometer steigt schnell über die 30°C Marke), das ist alles. Hier liegt der Fokus ganz klar auf dem Gartenparadies, dem unbedingten Willen allen Gästen die Wünsche von den Augen abzulesen und den frisch zubereiteten Mahlzeiten. Mir gefällt es hier jedenfalls sehr gut, ich fühle mich gleich zu Hause, wie bei Freunden, die ich ein Leben lang schon kenne. Sicher – hier fühlen sich auch die Schumann Gäste wohl. Noch ein Besuch am und im Pazifik – heute gibt es schöne große Wellen. Ein Sprung in die Fluten und ein kleiner Spaziergang am schwarzen, feinen Sandstrand. Ein klares JA – ein paar Tage am Pazifik dürfen auf unserer Guatemala Reise nicht fehlen.
Die nächste Etappe meiner Entdeckungstour führt mich in den Nordwesten Guatemalas. Die Vulkane rund um den Atitlan See sind mein Ziel. Auf dem Weg dorthin besuche ich noch die Maya UNESCO Welterbestätte Nummer 3. Takalik Abaj. Die Ausgrabungen unterscheiden sich wieder von allen anderen, die ich bislang sah. Einzigartig – deshalb ja auch UNESCO Welterbestätte. Wie Kunstwerke kontrastieren die Tempel- und Palastreste mit der üppig grünen Vegetation. Stille umfasst mich, wieder bin ich ganz allein unterwegs. Gewiss hinterlassen diese Stille und Persönlichkeit, mit der ich den Maya Stätten hier in Guatemala begegnen kann, tiefe Eindrücke bei mir. Vielleicht ist das eines der Geheimnisse.
„Was Sie fahren zum Atitlán See? Das ist der schönste See der Welt.“ meint der junge Mann der Traffic Police, der mich zur Kontrolle bittet. Höflich, freundlich und eher wie ein auskunftsfreudiger Mitarbeiter einer Gästeinformation. Doch von dieser Schönheit sehe ich erstmal nichts. Denn wieder hat sich längst der wunderbare Sternenhimmel über die Vulkanspitzen gesenkt, als ich das Ufer des Sees erreiche. „Das Atitlán Hotel gilt als eines der schönsten Häuser ganz Guatemalas. Es war das erste Haus hier am See.“ begrüßt mich selbstbewusst der Jorge an der Rezeption. Na ich bin gespannt, was mich erwartet. Mein Zimmer ist geräumig, sehr geschmackvoll eingerichtet – mit kleinen Kunstwerken aus den umliegenden Dörfern. Das ganze Haus strahlt Tradition und Verbundenheit zu den Menschen hier mit jedem Meter aus. Als ich am Morgen erwache, traue ich meinen Augen kaum. Vor mir breitet sich ein bunter Park aus, der jedem Botanischen Garten ebenbürtig ist. Es blüht und duftet, zwitschert und schwirrt. Bunte Vögel hüpfen von Ast zu Ast. In der Ferne kreist ein Kondor am Himmel. Hinter diesem Garten Eden breitet sich der See vor mir aus. An den Ufern ragen perfekt kegelförmige Vulkane gen Himmel. Nun kann ich ihn verstehen, den jungen Mann der Traffic Police. Mindestens ist Atatlán einer der romantischsten, der schönsten Seen der Welt.
Für mich heißt es bereits wieder Aufbruch. Doch als Berufsurlauber weiß ich ja, dass ich wieder komme. Spätestens mit den ersten Schumann Gästen. Und so fällt mir das auch nie so schwer. Ich möchte heute noch den Markt von Chichicastenango besuchen. Chichi, wie die einheimischen das Bergdorf liebevoll nennen, soll den größten und farbenprächtigsten Markt Zentralamerikas beheimaten. Aus allen umliegenden Siedlungen kommen die Menschen am Sonntag dorthin, um ihre Waren feilzubieten und sich selbst mit Kleidung und Gemüse, Obst, Fisch oder Fleisch einzudecken. Das kleine Dorf platzt aus allen Nähten an den Tagen des Marktes. Alles ist super organisiert. Schnell kann ich für ein paar Quetzal (so heißt die Währung hier) mein Auto parken. Ich stürze mich in das Getümmel. Mich faszinieren vor allem die kunstvoll und bunt bestickten Kleidungsstücke. Jedes mit einem anderen Muster, jedes ein Unikat. Marktstand reiht sich an Marktstand. Dazwischen Menschen jedweder Herkunft. Bunt gekleidete Bauern aus der Region suchen nach Festtagskleidung. Daneben reiben sich Touristen aus Spanien verwundert die Augen. Ein Priester kauft schnell noch Blumen für die Kirche und zwei kräftige Männer schultern schwere Säcke voller Mais. In der Sporthalle findet der Gemüse- und Obstmarkt statt. Was für eine Pracht, mir gehen die Augen über. Bergeweise knallig rote Tomaten. Daneben stapeln sich gelbe, grüne und rote Bananenstauden. Reife Mangos neben Körben voller Erdbeeren. Kaffee, natürlich auch Kaffee – Guatemala zählt zu den Ländern mit den qualitativ hochwertigsten Sorten. Das schmeckt man wirklich mit jeder Tasse. Mittlerweile schlägt dich Kirchturmuhr 12 Mal. Ich muss los – wäre gern noch geblieben. Am Abend startet mein Flug mit COPA Airlines nach Bogota. Kolumbien – doch das wird eine andere Geschichte.