Reiseberichte Herbsttage am Lago Maggiore

Herbsttage am Lago Maggiore

Italien im Oktober

Tag 1 – Anreise

Sonntag frühmorgens ging es los. Während ich auf die Perlen am Rande der Fahrbahn verweise und Wissenswertes über die vorbeiziehende Landschaft erzähle, schlafen meine Reisegäste tief und fest. Entweder wurde gestern Abend noch gefeiert oder das  Aufstehen war einfach zu früh. Die Sonne lacht, nachdem am Morgen der Himmel in vielen Rottönen erwachte. Herbstlich bunt werden die Augen verwöhnt. Am Bodensee vorbei, durch Österreich und hinein in die Schweiz – die Landschaft wird immer eindrucksvoller. Als das Nachmittagstief droht, verteile ich selbstgebackene Pflaumenmuffins, dazu eine Tasse Kaffee, und schon hebt sich die Stimmung wieder, als wir uns den San Bernardino hinaufschlängeln. Hier oben hat der Herbst schon fast Platz gemacht für den Winter. Durch den Tunnel hindurch – und plötzlich: Süden! Die Sonne haben wir zwar im Norden gelassen, aber die Vegetation begrüßt uns in Sommerlaune. Hibiskus blüht, Palmen winken. Unser Hotel La Palma liegt direkt am Ufer des Lago Maggiore – schöner kann man kaum residieren. Und obwohl wir den ganzen Tag nur im Bus saßen, geht der Tag nach dem Abendessen schnell zu Ende – müde, aber glücklich sinken alle in ihre Betten.

Tag 2 – Nebel, Nebbiolo und Nonnen

Der Lago Maggiore zieht heute früh züchtig Wolken vor sein Antlitz. Da versuchen wir unser Glück am Lago d’Orta – aber auch dort herrscht trübes Herbstwetter. Macht nichts: Wir bummeln durch das kleine Örtchen San Giulio, blicken hinüber zum Kloster auf der Insel. Die armen Nonnen dort dürfen nicht einmal reden – so viel Schönheit um sich und dann Schweigen müssen! Zum Mittag probieren wir regionale Delikatessen: Schinken, Käse, Rotwein – so hält man das Nieselwetter draußen gut aus. Danach geht’s weiter nach Ghemme, inmitten der Hügel, auf denen der berühmte Nebbiolo wächst – leider heute im Nebel versteckt. Wir spazieren durch die alte Bauernfestung, inzwischen von Winzern belebt, und landen schließlich in einem urigen Weinkeller. Auch hier gibt's Käse, Schinken, Salami – und dazu ein Gläschen Wein. Draußen tröpfelt’s, drinnen lacht man. Mit Sonne im Herzen kehren wir ins Hotel zurück. Beim Abendessen wird erzählt, gelacht und das Programm für morgen besprochen.

Tag 3 – Locarno, Madonna del Sasso & Centovallibahn

Nach einem italienischen Frühstück mit Käse, Croissants und Cappuccino starten wir Richtung Locarno. Die Fahrt entlang des Sees ist ein Genuss: kleine Ortschaften mit bunten Fassaden, gepflegte Gärten voller Palmen, Zypressen und Blumen, dazwischen immer wieder ein Blick über das glitzernde Wasser. In Locarno wartet schon die Zahnradbahn, die seit über 120 Jahren tapfer den steilen Hang hinaufklettert – ein bisschen ächzend, aber zuverlässig. Oben, auf dem Felsplateau, liegt die Madonna del Sasso, majestätisch zwischen Palmen, Olivenbäumen und Felsen. Der Blick über Locarno, den See und die gegenüberliegenden Berge – einfach atemberaubend. Kleine Wölkchen tanzen zwischen Himmel und Wasser, als wollten sie uns sagen: Hier ist das Paradies! Zurück geht’s wieder mit der Bahn steil wieder runter und so mancher Mitreisende ist heilfroh, als er unten wieder fester Boden unter den Füßen ist. Danach bleibt Zeit für einen gemütlichen Bummel durch Locarno: über das historische Pflaster der Altstadt, vorbei an bunten Häusern, eleganten Boutiquen und Cafés, bis zum Piazza Grande, der beim Filmfestival mit Hunderten von Stühlen gefüllt ist. Am Nachmittag wartet das nächste Highlight: die Fahrt mit der Centovallibahn. Schon der Name klingt verheißungsvoll – „Tal der hundert Täler“. Wir steigen in die kleinen blauen Waggons, die sich gemächlich durch die Bergwelt schlängeln. Die Sonne blinzelt zwischen den Wolken hervor, die Wälder leuchten in allen Herbstfarben: Gold, Kupfer, Feuerrot. Die Bahn rumpelt durch Tunnel, über hohe Brücken und entlang schwindelerregender Abgründe. Unten glitzern Bäche wie Silberfäden, oben thronen einsame Dörfer, in die sich kaum eine Straße traut. Immer wieder reißen wir die Kamera hoch – und keiner weiß mehr, wohin er zuerst schauen soll. Als wir an der imposanten Basilika von Re vorbeifahren, zieht der Weihrauchduft fast durch die Fenster – oder ist es doch nur der Duft meines Notfallschnapses, den ich ausschenke? Ein Schlückchen gegen Höhenangst, sagen wir – in Wahrheit einfach, um das Glück zu feiern, in so einer Landschaft unterwegs zu sein. In Domodossola wartet schon unser Bus. Etwas müde, aber mit leuchtenden Augen fahren wir zurück ins Hotel. Beim Abendessen – ein viergängiges Menü mit viel Gelächter – klingt dieser erlebnisreiche Tag aus.

Tag 4 – Villa Taranto & Laveno

Bereits am Morgen schaut die Sonne durch die Wolken – der Tag, grau vorausgesagt, wird ein goldenes Herbstfest. Im Botanischen Garten der Villa Taranto spazieren wir durch ein Farbenmeer: Dahlien in voller Pracht, japanische Ahorne in leuchtendem Rot, Azaleen und Farnwälder, die noch im milden Licht glühen. Zwischen den Wegen funkeln Tautropfen wie kleine Edelsteine, und die Gruppe verteilt sich – jeder findet seine eigene Lieblingspflanze oder den schönsten Ausblick auf den See. Am Ufer gönnen wir uns eine kleine Sektpause – sowas haben wir immer dabei. Ein Gläschen auf die Sonne, die uns heute besonders verwöhnt. Weil es so schön ist, setzt die Hälfte der Gruppe mit der Fähre nach Laveno über. Dort wartet die Seilbahn auf den Monte Sasso del Ferro, 1100 Meter hoch. Die Kabinen – liebevoll „hängende Biotonnen“ genannt – schaukeln uns steil hinauf. Die Aussicht oben? Atemberaubend! Der ganze Lago Maggiore liegt uns zu Füßen, eingerahmt von Bergen, die im Sonnenlicht funkeln. Natürlich feiern wir diesen Moment mit einer Einkehr im Gipfelrestaurant. Zurück am See noch ein kurzer Halt an einer Kirche mit Postkartenblick, dann schlendern wir entlang der Promenade, genießen die letzten Sonnenstrahlen. Die andere Hälfte der Gruppe genießt währenddessen das Dolce Vita in Stresa – beim Bummeln, beim Kaffee auf der Dachterrasse oder einfach mit einem guten Buch und Blick auf den See. Ein herrlicher Tag, an dem jeder fand, was ihm guttut.

Tag 5 – Inseln im Regen

Heute ist unser Inseltag, und wie es kommen muss: es regnet. Wir lassen uns nicht unterkriegen, bewaffnen uns mit Schirmen und Humor und steigen ins Boot Richtung Isola Madre. Statt mondän mit wehenden Haaren über den See zu flitzen, sitzen wir unter dem Verdeck  – und ich  mitten in einer Pfütze und betrete die Insel mit nassem Hintern. Im Palast ist es wohlig warm, die Wärme des Sommers spürt man noch, und wir tauchen in die Welt der Borromäer ein. Elegante  Salons, große Namen – und Geschichten. Wir erhalten einen Einblick wie sich zu Borromäischen Zeiten die Abende vertrieben wurden. Nämlich mit Marionettentheater, und da gab es Vorführungen, die mir den heutigen Gruselfilmen sicher locker mithalten konnten. Draußen fotografieren wir Regentropfen, die sich auf Blättern und Zweigen wie kleine Juwelen sammeln, und beobachten bunte Pfauen, die würdevoll durch den Park stolzieren und wie wir dem Regen trotzen. Sind sie vielleicht die Nachfahren der Pfauen, die von Napoleons Gefolge verspeist wurden, als dieser unverhofft die Inseln besuchte Weiter gehts zur Isola Bella, wo einst Napoleon nächtigte und Lady Di tanzte. Unsere Schirme werden am Eingang eingesammelt – leider nicht am Ausgang wieder ausgegeben. So stehen wir dann im Park – nass, aber tapfer – und staunen über die kunstvollen Terrassengärten. Die ganz Harten laufen bis ans Ende der Insel, der Rest bekommt beim Rückweg vom Boot aus eine „Trockenführung“. Am Nachmittag verteilt sich die Gruppe: manche in die Sauna, manche ins Bett, andere auf eine letzte Runde durch Stresa – mit Bruschetta, Gelato oder einfach einem guten Glas Wein. Und auch wenn das Wetter uns heute Streiche spielte – der letzte Abend war erfüllt von herzlichen Gesprächen, viel Lachen und dem Gefühl, neue Freunde gefunden zu haben. Regen draußen, Wärme drinnen – so darf eine Reise enden.

Tag 6 – Heimreise

Wie zum Abschiedsspiel blinzelt die Sonne durch das Fenster. Der Himmel klar, keine Wolke in Sicht – als wolle er uns ein bisschen verspotten. Ein letztes Frühstück, ein letzter Cappuccino mit Blick auf den See. Morgen sind wir wieder selbst fürs Buffet verantwortlich – ohne Seeblick, ohne Cappuccino, aber mit vielen Erinnerungen im Gepäck. Ein letzter Blick von der Dachterrasse, ein Foto der Inseln – so klar haben wir sie noch nie gesehen. Dann heißt es Abschied nehmen: 750 Kilometer, vier Länder, eine Alpenüberquerung – und viele Geschichten im Herzen.


Ich war gern mit Ihnen unterwegs.
Ihre Reiseleiterin Katrin

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