Hohe Tatra
Von Krakau in die Hohe Tatra 2026
Kleine Gruppe, große Erlebnisse
Anreise
An einem der ersten heißen Tage des Jahres starten wir unsere Reise Richtung Hohe Tatra – über Krakau. Die warme Luft empfängt uns schon an den Raststätten, und als wir Krakau in der Ferne sehen, hängen dunkle Wolken über der Stadt. Und dann geht es los: Blitz, Donner und Starkregen heißen uns in Polen willkommen. So heftig, dass wir am Hotel angekommen zunächst überlegen, ob der trockene Bus nicht doch der bessere Aufenthaltsort ist. Also wage ich mich barfuß über den Parkplatz ins Hotel, um unsere Gäste einzuchecken. Unser Busfahrer, der bekanntlich nicht aus Zucker ist, beweist echten Einsatz und bringt im knallroten Regencape die Koffer ins Trockene. Als der Regen etwas nachlässt, verlassen auch meine Gäste den sicheren Unterschlupf. Bis zum Abendessen hat sich das Wetter beruhigt und wir bummeln zu Fuß in die Altstadt – nur einen Steinwurf vom Hotel entfernt. Typische polnische Pirogen heißen uns herzlich willkommen. Müde, aber zufrieden endet der erste Tag – allerdings nicht ohne eine kleine Herausforderung im Badezimmer. Die hochmoderne Badtechnik will erst verstanden werden. Ein Toilettengang wird hier beinahe zur technischen Meisterprüfung.
Tag 2 – Krakau entdecken
Um 9 Uhr erwartet uns schon unser Stadtführer Jan, den die Liebe nach Krakau verschlagen hat. Mit ihm entdecken wir Ecken, die man ohne Insiderwissen wohl kaum findet.
Wir sehen Kirchen mit wunderschönen Blumenmustern an den Wänden, die Universität, an der schon Kopernikus studierte, und stehen in der Gruft, in der August der Starke seine letzte Ruhe fand. Als wir mittags etwas erschöpft an die Tafel sinken, zeigt der Schrittzähler bereits mehr als 8 Kilometer. Krakau lässt sich eben nicht nur anschauen – man muss es erlaufen. Am Nachmittag bleibt Zeit für eigene Entdeckungen oder einfach eine kleine Pause für die Füße. Auf einem der schönsten Plätze Europas, essen wir zu Abend, beobachten das bunte Treiben und lauschen dem Trompetenspiel, das jede Stunde erklingt – bis es, der Legende nach, vom Pfeil der Mongolen abrupt beendet wird.
Tag 3 – Weiter Richtung Zakopane
Langsam verabschieden wir uns von der Kultur und fahren weiter Richtung Süden. Die Landschaft verändert sich, und wir kommen durch Dörfer, in denen die Zeit ein wenig stehen geblieben scheint. Die traditionellen Häuser der Goralen begleiten unseren Weg – vor über 200 Jahren gebaut aus den kräftigen Baumstämmen der Tatra. In Zakopane wurde dieser Baustil später mit viel Eleganz weiterentwickelt. Wir schlendern durch die schöne Stadt und genießen in einem Café hoch über der Stadt den Blick auf die Berge. Kaffee mit Tatra-Panorama – manchmal braucht es nicht viel zum Glück. Das Mittagessen erwartet uns an der klappernden Mühle am rauschenden Bach, bevor wir weiter ins Herz der Hohen Tatra fahren. Im altehrwürdigen Hotel Lomnica beziehen wir für die nächsten vier Nächte unser Quartier. Das Abendessen ist ein Gedicht in drei Strophen – fast zu schade zum Essen, mit viel Liebe und Kreativität zubereitet. Die Sterne sind ehrlich verdient, und wir freuen uns schon auf die nächsten kulinarischen Abende. Aber zuerst heißt es: schlafen. Denn auch Nichtstun auf höchstem Niveau kann ganz schön anstrengend sein.
Tag 4 – Hoch hinaus
Das Frühstücksbuffet bekommt von uns mindestens genauso viele Sterne wie das Abendessen. Gut gestärkt starten wir in einen Tag, der uns schon am Morgen entgegenlacht. Heute geht es hoch hinaus. Wir gewöhnen uns langsam an die Höhe und beginnen mit einem kleinen Spaziergang auf dem Hrebienok, dem Hausberg von Starý Smokovec. Auf 1.280 Metern genießen wir den Blick auf das gewaltige Massiv der Tatra. Am Nachmittag folgt der große Höhepunkt: die Fahrt auf die Lomnitzer Spitze. In drei Etappen geht es nach oben, und die letzte Strecke ist nichts für schwache Nerven. Ohne sichtbare Stütze schwebt die Seilbahn fast senkrecht dem Gipfel entgegen. Oben angekommen sehen wir zunächst – gar nichts. Die Wolken haben die Tatra fest im Griff. Doch dann öffnet sich der Vorhang langsam: Die Wolken ziehen weiter und geben einen traumhaften Blick auf die Gipfel frei. Hinter uns die Wolken, vor uns die Berge – unser Mut wird belohnt. Zurück geht es zu Fuß durch die grüne Stadt Tatranska Lomnica, die eigentlich ein einziger großer Park ist. Den restlichen Nachmittag verbringen wir mit einer wichtigen Aufgabe: Vorfreude auf das Abendessen. Und das Warten lohnt sich – allein schon der Auftritt der Suppe hätte einen eigenen Applaus verdient.
Tag 5 – Die Dunajec-Schlucht
Gestern noch in luftigen Höhen, heute mitten in der Schlucht des Dunajec. Zu Beginn fließt der Fluss noch ganz gemütlich dahin und wir begrüßen sogar Entenfamilien am Ufer. Doch langsam rücken die Felsen näher, der Fluss wird schmaler und unsere Flößer müssen kräftig arbeiten, um das Floß sicher durch Stromschnellen und vorbei an den Felsen zu manövrieren. Drei Jahre Ausbildung machen eben echte Meister ihres Fachs. Unterwegs entdecken wir die „Sieben Mönche“ und die „Drei Kronen“ – beeindruckende Felsformationen der Pieninen. Trockenen Fußes erreichen wir das Ziel, obwohl das Wasser bei diesen Temperaturen durchaus verlockend gewesen wäre. Zum Mittagessen gibt es für viele von uns eine besondere Spezialität: Pirogen mit Blaubeeren. Muss man probiert haben. Auf dem Rückweg machen wir noch Halt am Roten Kloster. Wir spazieren durch die kühlen Mauern, bekommen einen Eindruck vom stillen Leben der Mönche und beobachten ein Brautpaar, das die besondere Kulisse für sein Hochzeitsalbum nutzt. Und hinschauen bringt Glück, sagt ein Gast. Das haben wir dann auch ausführlich gemacht. Ein kühles Glas Sekt am Ufer des Dunajec beendet einen wunderschönen Tag.
Tag 6 – Genuss für Körper und Seele
Heute widmen wir uns den geistigen Genüssen – am Vormittag von innen und am Nachmittag irgendwie auch. Wir besuchen die Heimat des Tatratea. Der besondere Likör aus Tee und Kräutern der Tatra wird direkt am Fuß der Berge hergestellt. Bei fast 30 Grad starten wir gegen 10 Uhr mit der Verkostung. Acht Sorten stehen bereit. Wir beginnen bei 22 Prozent und arbeiten uns tapfer bis zu 72 Prozent vor. Am Ende sind sich alle einig: Nicht jedes Glas muss unbedingt leer werden. Danach gönnen wir uns eine kleine Erholungspause – Apfelstrudel mit Vanilleeis und Kaffee wirken fast wie eine medizinische Maßnahme. Dazu der Blick auf die Tatra und die Burg – so lässt es sich aushalten. Ein Spaziergang führt uns, auf noch leicht unsicheren Beinen, schließlich zu einem echten Geheimtipp: einer Holzkirche wie aus dem Bilderbuch. Nicht ohne Grund gehört sie zum UNESCO-Welterbe. Die originale Bemalung von 1717 ist noch vollständig erhalten – ein kleines Juwel, angenehm kühl und voller Geschichte. Am Nachmittag steigt die Vorfreude auf den letzten großen Abend: das Abschlussdinner im Hotel Lomnica. Selten speisten wir so außergewöhnlich.
Tag 7 – Abschied von der Tatra
Bei strahlendem Sonnenschein heißt es Abschied nehmen von der Hohen Tatra und unseren Verwöhnmomenten im Hotel. Die Karpaten begleiten uns noch ein gutes Stück auf dem Weg Richtung Tschechien. Und als wir in Brno aus dem Bus steigen, ist sie plötzlich da: die große Hitze, unter der schon lange alle stöhnen und die uns bisher verschont hatte.
Die 600 Meter bis zum Abendessen schaffen wir, um dann im kühlen Inneren des Brauhauses Platz zu nehmen. Böhmisches Gulasch und ein gutes Bier sind jetzt genau das Richtige.
Zurück im Hotel läuft die Klimaanlage auf Hochtouren, das böhmische Gulasch liegt wohlig im Bauch – bessere Voraussetzungen für eine erholsame letzte Nacht gibt es kaum.
Tag 8 – Abschied
Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen – denn die kühlen Stunden wollen genutzt werden. Um 8.30 Uhr entdecken wir noch Brno bei einem Stadtrundgang oder besser gesagt, wir schleppen uns tapfer durch die schon wieder heiße Stadt, bevor wir über Prag und Dresden langsam Richtung Heimat rollen. Eine kleine Gruppe, eine große Menge schöner Erinnerungen und die Gewissheit: Die Tatra hat uns nicht nur Berge gezeigt, sondern auch viele besondere Momente geschenkt.
Vielen Dank an eine tolle Gruppe.
Katrin