Reiseberichte Kärntens blaue Seele: Willkommen am Wörthersee

Kärntens blaue Seele: Willkommen am Wörthersee

Frühling in Kärnten

Ein Reisebericht von Katrin Ziehm

Auf geht’s an den Wörthersee – und wie! Zwölf bestens gelaunte, reiselustige Damen und ein mutiger Herr machen sich gemeinsam auf den Weg. Man könnte sagen: ein ausgewogenes Verhältnis… zumindest aus Sicht der Damen. Die Stimmung im Bus? Fröhlich, erwartungsvoll – und spätestens nach den ersten Gesprächen auch schon herrlich vertraut. Nach rund neun Stunden Fahrt erreichen wir unser Ziel – und irgendwie ging es dann doch schneller als gedacht. Vielleicht lag’s an der guten Laune, der Vorfreude … oder an den Muffins, die ich zur Kaffeezeit ausgepackt habe. Ein kleines Stückchen Glück auf Papierförmchen gebettet – und genau das Richtige, um die letzten Kilometer zu versüßen.
Am Wörthersee angekommen, erwartet uns unser Hotel direkt am Ufer – mit einem Ausblick, der sofort Urlaubsgefühle weckt. Der Himmel zeigt sich noch etwas bedeckt, aber die Vorhersage verspricht Kaiserwetter für die kommenden Tage. Und das Beste: Wir sind die ersten Gäste nach der Winterpause. Die große Urlauberwelle rollt erst noch an – wir genießen die Ruhe und haben das Paradies fast für uns allein.


Am Donnerstagmorgen werden wir von der Sonne geweckt. Als einzige Gäste stürzen wir uns – ganz ohne Gedränge – auf das Frühstücksbuffet. So lässt es sich leben!

Durch das malerische Gailtal führt uns unser Weg zum Schloss Lerchenhof – der Wiege des Slow Food. Der Chef persönlich nimmt sich Zeit für uns und erzählt mit spürbarer Leidenschaft von seiner Philosophie und der Geschichte des Hauses. Auf der sonnigen Terrasse lauschen wir einer Liebesgeschichte, die sich vom Bau des Schlosses bis heute zieht – und fast ein bisschen ansteckend wirkt.
Beim Rundgang durch die gepflegte Anlage geht es über Wiesen, durch Stallungen – und ja, auch durch das Schlachthaus. Hier wird noch selbst produziert, mit Respekt vor dem Produkt. Und dann sitzen wir da, vor unserem Schinkenteller, hören die Erklärungen… und merken: Der Appetit wächst mit jedem Wort. Irgendwann hilft alles nichts mehr – jetzt wird verkostet!
Am Nachmittag wartet die Villacher Alpenstraße auf uns. In scharfen Kurven und über spektakuläre Kehren schrauben wir uns rund 1000 Höhenmeter nach oben. An der Roten Wand stoßen wir mit einem Glas Sekt auf die kommenden Tage an und genießen den atemberaubenden Blick über das Gailtal. Ganz oben schließlich eröffnet sich uns der berühmte Dreiseenblick – Ossiacher See, Wörthersee und Faaker See glitzern in der Ferne um die Wette.
Ein rundum gelungener Tag, der am Abend ganz entspannt ausklingt – auf einer Liege am See oder mit einem stillen Blick vom Balkon hinaus aufs Wasser.


Am Freitag zeigt uns Hotelchefin Martina persönlich die schönsten Seiten von Velden. Wir werfen einen Blick ins wohl eleganteste Casino Österreichs und fühlen uns beim Spaziergang entlang der Promenade ein wenig in vergangene Zeiten zurückversetzt – als hier noch in langen Kleidern flaniert wurde.
Direkt beim berühmten Schloss am Wörthersee legen wir mit dem Schiff ab. Vom Deck aus genießen wir die perfekte Perspektive für Fotos – und natürlich die Fahrt selbst. Villen säumen das Ufer, und die romantische Kirche von Maria Wörth scheint fast ins Wasser hineinzuträumen.


Und dann tauchen wir ein in eine ganz besondere Welt: einmal um die Erde – in wenigen Schritten. Wir schlendern durch den Park, staunen und entdecken. Eben noch stehen wir vor der Titanic, die scheinbar direkt vor unseren Augen versinkt, wenige Meter weiter hebt eine Raumfähre mit beeindruckendem Getöse ab, und kurz darauf ragt der Petersdom in den Himmel – zwar „nur“ im Maßstab 1:25, aber dennoch gewaltig.
Wir lassen uns Zeit, gehen von Kontinent zu Kontinent, bleiben hier und da stehen, machen Fotos, vergleichen, staunen. Zwischendurch gönnen wir uns auch eine gemütliche Pause bei Kaffee und Kuchen – schließlich will so eine kleine Weltreise gut gestärkt sein.
Zum Abschluss des Tages geht es noch hoch hinaus – auf den Pyramidenkogel. In rund 100 Metern Höhe genießen wir ein Panorama, das sprachlos macht: Der Wörthersee liegt uns zu Füßen, türkisblau schimmernd, während die Karawanken mit schneebedeckten Gipfeln grüßen. Fotomotive ohne Ende – und wir sind uns einig: Gut, dass wir nicht mehr mit 24 Bildern pro Film auskommen müssen!
Und ja – zwei mutige Damen entscheiden sich tatsächlich für den Abstieg per Rutsche. Stilvoll? Vielleicht nicht. Unvergesslich? Ganz sicher!


Mehr geht wirklich nicht in einen Tag – denken wir zumindest, während wir uns am Abend dem leckeren Menü widmen. Und natürlich kommen auch die Salatliebhaber voll auf ihre Kosten – bei der bunten Auswahl ist für jeden etwas dabei, und so manch einer entdeckt ganz neue Lieblingskombinationen.


Am nächsten Tag führt uns der Weg zur eindrucksvollen Burg Hochosterwitz. Schon von weitem thront sie majestätisch auf ihrem Kegelberg. Dank Lift erreichen wir bequem den Gipfel – sehr zur Freude der Beine. Nach einer spannenden Führung sind wir bestens informiert über mittelalterliche Waffen und deren Einsatz. Und wir lernen: Die Schlösser waren so konstruiert, dass man selbst im… sagen wir mal „angeregten Zustand“… noch das Schlüsselloch fand.
Nach einem genussvollen Mittag im Burghof geht es durch die 14 Burgtore zurück ins Tal – und wir verstehen nun sehr gut, warum diese Burg als uneinnehmbar galt.


Weiter geht’s ins Gurktal, zum beeindruckenden Dom zu Gurk. Das reich verzierte Portal mit seinem Sternenhimmel und die Krypta mit ihren hundert Säulen hinterlassen bleibenden Eindruck. Am Grab der heiligen Hemma liegt ein Stein, der Wünsche entgegennimmt – und so manch eine stille Bitte wird hier ganz leise formuliert.
Natürlich darf auch ein echter Gurktaler Schnaps nicht fehlen – schließlich ist das Tal so schön, dass man es glatt in Flaschen abfüllen möchte.
Auf dem Heimweg zeigt unser Busfahrer Andreas sein ganzes Können und führt uns über Landstraßen, die so schmal sind, dass man kurz überlegt, ob man nicht besser wandern sollte. Doch die Ausblicke sind jede Kurve wert.
Abends rundet ein Gläschen auf der Terrasse mit Blick auf den Sonnenuntergang über dem See den Tag perfekt ab.


Der letzte Tag steht im Zeichen der Geologie. Im Granatium tauchen wir ein in die Welt der roten Edelsteine, erkunden ein Stück Bergwerk und entdecken funkelnde Granate im Gestein. Eine Dame aus unserer Gruppe wird kurzerhand selbst zur Schatzsucherin – mit Hammer und Schutzbrille bewaffnet. Ihr Fund: ein etwa ein Zentimeter großer Granat, der später geschliffen wird und nun als ganz persönliches Souvenir im Koffer ruht. Ein kleines bisschen neidisch sind wir alle.
Nach dem gemeinsamen Kaffee auf der Hotelterrasse zieht es uns noch einmal an den See. Die letzten Stunden genießen, die Eindrücke Revue passieren lassen, einfach da sein.
Beim letzten Abendessen schleicht sich leise Wehmut ein. Viel zu schnell sind die Tage vergangen – voller Erlebnisse, Genuss und schöner Begegnungen. Neue Freundschaften sind entstanden, Erinnerungen geschaffen.
Und nun sitzen wir wieder im Bus. Die Heimat rückt näher – und mit ihr die Gewissheit: Diese Reise wird uns noch lange begleiten. Vielleicht nicht mehr mit Seeblick, aber ganz sicher mit einem Lächeln.
Und wer weiß… vielleicht heißt es ja bald wieder: Auf geht’s!

 

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