Reiseberichte Mein norwegischer Sommer

Mein norwegischer Sommer

Einmal Nordkap und zurück

Auf der Havila ans Ende Europas

Tag 1 - Anreise

Schneller kann man Verkehrsmittel kaum wechseln: Erst mit dem Kleinbus nach Berlin, dann in den Flieger nach Bergen – und schließlich aufs Schiff. Als hätte die Havila nur noch auf uns gewartet, heißt es kurz nach dem Einchecken: Leinen los! Beim Abendessen genießen wir zum ersten Mal den traumhaften Blick vom Schiff auf die vorbeiziehende Landschaft. Und zur Einstimmung in die Reise schaukelt uns das Schiff sanft in den Schlaf.

Tag 2 – Geirangerfjord

Ein grauer Tag, so schien es zunächst. Doch tief im Geirangerfjord, da reißt der Himmel auf und die Sonne bricht durch. Links und rechts stürzen Wasserfälle wie glänzende Bänder die Felsen hinab, allen voran die berühmten „Sieben Schwestern“. Gegenüber hält „der Freier“ tapfer durch – seine Werbung um die Damen scheint auch nach Jahrhunderten erfolglos.
Wir genießen das Schauspiel, halten unser „Sonnenbild“ fest – und spüren, warum dieser Fjord zum Welterbe gehört.

Tag 3 – Trondheim

Wir bummelten durch die älteste Stadt Norwegens bis zum Nidarosdom. Eine junge Norwegerin führte uns durch das imposante Bauwerk und zeigte uns kleine Geheimnisse, die wir ohne sie nie entdeckt hätten. Der Dom, in geheimnisvolles grünes Licht getaucht, ist überwältigend.
Auf dem Weg zurück zum Schiff verfallen wir in einen leichten Sprint – geschafft! Beim späten Mittagessen beobachten wir die Abfahrt aus Trondheim. Danach ein ruhiger Nachmittag an Bord, bevor wir am Abend wieder wie gebannt vor den Panoramafenstern sitzen. Die Landschaft ist das schönste Abendprogramm – und wir müssen uns fast zwingen, irgendwann doch ins Bett zu gehen.

Tag 4 – Polarkreis und Saltstraumen

Noch 15 Minuten bis zur Polarkreisüberquerung! In Windeseile sind wir auf Deck – und werden mit strahlend blauem Himmel und Sonne empfangen. Kann man schöner geweckt werden?
Der Tag verspricht viel: Unser Ausflug führt uns heute zum Saltstraumen, dem stärksten Gezeitenstrom der Welt. Dick eingemummelt stehen wir am Anleger – unsere Gruppe sieht fast aus wie eine Expedition zum Nordpol. Beim Anblick des kleinen, PS-starken Bootes wird uns schon ein wenig mulmig. Doch dann reiten wir über die Wellen, hören spannende Geschichten aus der Erdgeschichte, spähen nach Adlern – und dann stürzen wir uns in die Stromschnellen. Mehrmals fährt unser Bootsführer durch die Strudel. Es spritzt, es kribbelt, wir lachen. Auf der Rückfahrt halten wir uns schon nicht mehr ganz so krampfhaft an den Haltegriffen fest. Und als Krönung schnappt sich ein majestätischer Seeadler direkt neben unserem Boot einen Fisch. Naturkino in Perfektion!
Zum Abschluss des Tages eine Fahrt durch den Trollfjord in der Dunkelheit, wir bleiben extra lange auf. Einer der schönsten Fjorde Norwegens - und tatsächlich sehen wir auch Trolle.

Tag 5 – Tromsø

Das Tor zur Arktis empfängt uns mit klarer Luft und nordischem Charme. Mit der Seilbahn fahren wir auf den Hausberg, wo uns eine atemberaubende Aussicht erwartet – und dazu ein Kaffee mit Blick auf Tromsø. Natürlich darf auch ein Besuch der Eismeerkathedrale nicht fehlen, bevor wir über die riesige Brücke zurück in die Stadt laufen.
Pünktlich zum Abendessen legen wir ab. Das Essen ist wieder erstklassig – und wie jeden Abend sitzen wir danach vor den großen Panoramafenstern und lassen uns von der Landschaft verzaubern.

Tag 6 – Nordkap

Um 11 Uhr erreichen wir Honningsvåg. Die Sonne lacht, doch wir trauen ihr nicht und ziehen uns wetterfest an. Es geht schließlich zum nördlichsten Punkt Europas. Und dann stehen wir am Nordkap – bei blauen Himmel und fast sommerlichen Temperaturen! Natürlich sind wir nicht allein, der Globus ist heiß umkämpft für Fotos. Aber der Blick auf die steilen Klippen und die endlose Weite bleibt einzigartig.
Zurück an Bord setzen wir unsere Reise nach Kirkenes fort. Das Nordmeer geht in die Barentssee über, die Landschaft wird rauer. Die kleinen Ortschaften kuscheln sich in die Felsen, und unser Schiff liefert Post, Heu für Tiere und auch schon mal ein Motorrad aus. Ein schwimmender Lebensversorger eben.

Tag 7 – Kirkenes

20 Grad, türkisblaues Wasser wie in der Karibik – wer hätte das hier im hohen Norden erwartet? Heute teilt sich die Gruppe: Die einen fahren auf Königskrabben-Jagd und lassen sich ihren Fang später schmecken. Die anderen erkunden mit einem Fahrer die Umgebung von Kirkenes, besuchen die russische Grenze und erfahren mehr über das Leben hier am Ende der Welt. Alles grünt und blüht – kaum vorstellbar, dass hier in wenigen Wochen schon der Winter Einzug hält.
Kirkenes ist auch der Wendepunkt unserer Reise. Für viele endet die Reise hier, während wir uns glücklich schätzen, die Rückreise ebenfalls genießen zu dürfen. Gleich nach der Abfahrt zeigt uns das Nordmeer aber noch einmal seine raue Seite – so sehr, dass wir einen Hafen gar nicht anlaufen können.

Tag 8 – Hammerfest

Nach einer windreichen Nacht erreichen wir mit Verspätung die nördlichste Stadt der Welt. Im Eiltempo geht es auf den Salen, den 84 Meter hohen Hausberg – mit tollem Blick über Stadt und Hafen. Rentiere gehören hier zum Stadtbild, und sie benutzen sogar brav den Bürgersteig.
Ein kurzer Blick in die Kirche – und plötzlich stehen wir mitten in einer Taufe. Norwegen pur!
Zurück an Bord erleben wir noch eine Rettungsübung mit Hubschrauber – beruhigend zu sehen, dass bei Havila alles funktioniert.
Am Abend wird es dann gesellig:  Musikraten in der Aussichtslounge. Gemeinsam – und mit ein bisschen Hilfe von Google – gewinnt unser Team Thüringen. Ein perfekter Abschluss für einen erlebnisreichen Tag.

Tag 9 -  Lofoten

Die Zeit vom Frühstück bis Mittag vergeht wie im Flug. Beim Blick auf die traumhafte Natur vergisst man sie einfach. Unser kurzer Landausflug in Stokmarknes wird uns verregnet, aber das gehört zu Norwegen einfach dazu. Dafür zeigt sich die Sonne, als wir den Raftsund, eine lange Meerenge, durchsegeln.  Ein gigantische Landschaft tut sich vor uns auf, das ist auf jeden Fall einer der schönsten Abschnitte der Reise. Wir werfen noch einen Blick in den Trollfjord - diesmal fahren wir nicht hinein - zum Glück haben wir diesen bei der Nordtour bereits durchfahren.
Und dann steigen wir um aufs Taxi, genießen die Lofoten vom Land aus. Herrliche Panoramen wechseln sich ab, wir möchten uns gar nicht vorstellen, wie es hier bei Sonnenschein ist. In Henningsvaer, der heimlichen Hauptstadt der Lofoten, kehren wir ein und essen typischen Skrei. Und als wir in Stamsund auf unser Schiff warten, scheint es, als legt es extra für uns an.

Tag 10 -Brønnøysund und Torghatten

Heute zieht Mutter Natur nochmal alle Register. Am Vormittag geht es über den Polarkreis, diesmal von oben kommend und bei Regen.
Danach erscheinen die sieben Schwestern, heute tragen sie einen Schleier, aber sind nicht weniger beeindruckend. Wir besuchen den  Mittelpunkt Norwegens in Bronnoysund und schlendern durch das kleine Städtchen.
Und dann sehen wir den Torghatten. Den ganzen Tag hingen die Wolken tief und genau jetzt reißen sie auf und wir sehen den Berg, durch den einst ein Troll einen Pfeil schoss, in voller Pracht - der Kapitän fährt für uns eine Extrarunde.
Ein goldener Sonnenuntergang und unser Gewinn – eine Flasche Wein – krönen den Tag.

Tag 11 - Kristiansund

Heute ist unser letzter voller Seetag. Ein bisschen melancholisch ist uns schon zumute. Die Zeit vergeht viel zu schnell.  Am späten Nachmittag noch ein letzter Landgang in Kristiansund. Beim letzten Abendessen an Bord wählen wir nochmal unsere Lieblingsspeisen. Gold der Küste gehört eindeutig dazu.

Tag 12 - Bergen

Norwegen verwöhnt uns auf unseren letzten Seemeilen mit Sonne satt. Wir durchkreuzen die Inselwelt vor Bergen. Wie Schwämme saugen wir die letzten Eindrücke der berauschenden Landschaft ein. Angekommen in Bergen erkunden wir die Stadt, schlendern über die Bryggen, genießen die Mischung aus Geschichte und Gegenwart. Ein letztes gemeinsames Abendessen, frischen Fisch, was sonst. Und zum Abschluss nochmal Bergen von oben, vom Hausberg der Stadt genießen wir einen abendlichen Blick auf die Stadt. Unser Schiff steht nicht mehr am Anleger, es ist schon wieder unterwegs nach Norden.

So endet eine Reise voller Naturwunder, kleiner Abenteuer und großer Momente. Aus fünf Mitreisenden wurde eine kleine Reisefamilie. Wir erlebten gemeinsam lange Tage und kurze Nächte, durchkreuzten Fjorde, das Nordmeer und die Barentssee. Erlebten türkisblaues Meer und aufgewühlte See. Wir standen bei Sonnenschein am Nordkap und fotografierten Rentiere. Auch wenn das Schiff schon wieder unterwegs ist – ein Teil von uns fährt wohl für immer mit nach Norden.
Ich war gern mit euch unterwegs. Bleibt gesund!!!
Eure Katrin

 

 

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