Mit dem Zeppelin über den Bodensee
Bodensee: zwischen Regentropfen, Wolkenmeer und großen Momenten
Reiseleiterin Katrin erzählt von Ihrer Reise
Die Anreise beginnt, wie sie beginnt – mit feinem Regen, der leise auf die Dächer unserer Erwartungen trommelt. Doch davon lassen wir uns natürlich nicht aufhalten. Gut gelaunt macht sich unsere Gruppe auf den Weg in den sonnigen Süden Deutschlands… nun ja, sagen wir: in den hoffentlich sonnigen Süden.
Auch bei unserer Ankunft in Lindau zeigt sich das Wetter zunächst noch von seiner eher norddeutschen Seite. Doch wir sind vorbereitet: Mit unseren blauen Schumann-Schirmen fallen wir sofort auf – eine geschlossene Einheit, wetterfest und bestens organisiert. Unser Stadtführer empfängt uns herzlich und nimmt uns mit auf eine lebendige Reise durch die Geschichte der Inselstadt. Mit viel Wissen, Charme und einer guten Portion Humor lässt er das alte Lindau vor unseren Augen aufblühen. Und siehe da: Während wir lauschen, lässt der Regen langsam nach… erst ein paar Tropfen weniger, dann noch weniger – bis schließlich die Schirme zufrieden zusammengeklappt werden können.
Weiter geht es nach Konstanz, natürlich stilecht mit der Fähre über den Bodensee.
Unser Zuhause für die nächsten Tage ist das Steigenberger Inselhotel – ein Ort, der Geschichte atmet. Einst ein Dominikanerkloster, begrüßt es uns mit einem beeindruckenden Kreuzgang. Durch diese ehrwürdigen Bogengänge schritten einst Könige und Fürsten – und jetzt wir. Jan Hus wartete hier einst im Kerker auf sein Schicksal im Jahr 1415 – keine Geschichte, die man sich unbedingt vor dem Einschlafen noch einmal in allen Details ausmalen muss…
Der nächste Morgen: Grau in Grau. Der Bodensee vor unserem Hotel? Nur zu erahnen. Die majestätischen Berge? Verschwunden. Also hilft nur noch eines – ein gemeinsames Stoßgebet im Bus. Und tatsächlich: Auf unserer Fahrt Richtung Säntis sehen wir zumindest die letzten Schneefelder des vergangenen Winters… wenn auch eher schemenhaft im Nebel.
Mit der Seilbahn geht es hinauf. Plötzlich haben erstaunlich viele in der Gruppe eine leichte Höhenangst – die sich mit einem kleinen Schnäpschen erstaunlich gut behandeln lässt. Ob es daran lag? Man weiß es nicht. Doch auf halber Höhe geschieht das kleine Wunder: Wir durchstoßen die dichte Nebeldecke und sind plötzlich über den Wolken . Oben angekommen erwartet uns ein traumhafter Ausblick - ein Wolkenmeer unter uns, aus dem die Gipfel wie kleine Inseln herausragen. Manchmal, ja manchmal, braucht es einfach dieses kleine Quäntchen Glück.
Auf dem Rückweg besuchen wir die Appenzeller Schaukäserei. Hier sehen wir die moderne Käseproduktion und dürfen natürlich auch kosten. Sehr lecker, keine Frage. Aber – ganz ehrlich – ein Käse, der noch persönlich von kräftigen Händen gedreht und liebevoll gepflegt wird, hat einfach noch einmal eine ganz andere Seele.
Am Abend zieht es uns an den Hafen von Konstanz. Frischer Fisch aus dem Bodensee wartet auf uns – Zander, Saibling… und wie heißt der dritte im Bunde? Unbekannt für uns, aber geschmeckt haben sie alle.
Am folgenden Tag klärt es sich dann auf. Es war der Kretzer, nicht Ketzer, ein Bodenseebarsch.
Der nächste Tag führt uns auf die Insel Mainau – ein echtes Wechselbad der Gefühle. Gestern noch Schnee und Nebel, heute ein Meer aus Farben. Tulpen, soweit das Auge reicht, dazu der Blick hinunter auf den Bodensee. Postkartenmotive. Die mächtigen Mammutbäume wirken beeindruckend – auch wenn sie botanisch gesehen noch als „Nachwuchs“ durchgehen.
Im Schmetterlingshaus verlieren wir völlig das Zeitgefühl. Bunte, exotische Falter flattern um uns herum – und während ich versuche, einen besonders schönen blauen Flügler zu fotografieren, wird mir schnell klar: Bei nur sechs Wochen Lebenszeit hat er schlicht keine Zeit, still zu sitzen und Modell zu stehen.
Das Wetter meint es gut mit uns, die Sonne kämpft mit den Wolken - und ab und an erahnen wir sie.
Einige von uns genießen die entspannte Atmosphäre im Orchideenhaus bei einer Tasse Kaffee, während andere versuchen, die Farbenpracht der Insel wenigstens im Handy festzuhalten – wohl wissend, dass man diese Eindrücke eigentlich gar nicht einfangen kann.
Am späten Nachmittag erkunden wir noch einmal Konstanz. Ein Rundgang führt uns durch die historische Altstadt, unter anderem durch die Feuergasse – ein wenig wie die Winkelgasse aus Harry Potter. Plötzlich fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Und ganz nebenbei klären wir auch die Redewendung „die Sau rauslassen“ – man lernt ja nie aus.
Insgesamt 10 Kilometer trugen uns unsere Füße heute- das deftige Abendessen im Wirtshaus Konstanz haben wir uns somit mehr als verdient.
Und dann ist er endlich da – der Moment, auf den viele schon die ganze Reise über ein bisschen hingefiebert haben: unser Flug mit dem Zeppelin. Ein leises Zittern war bis zuletzt dabei, denn das Wetter hat hier bekanntlich ein Wörtchen mitzureden. Doch diesmal meint es der Bodensee gut mit uns.
Am Vormittag geht es los. Wobei „starten“ eigentlich das falsche Wort ist – wir gleiten vielmehr sanft in die Luft. Fast lautlos hebt sich das Luftschiff und trägt uns ruhig über den See hinweg. Unten zieht die Landschaft gemächlich vorbei, oben breitet sich eine angenehme Gelassenheit aus. Kein Drängen, kein Eilen – einfach nur schauen, staunen und genießen.
Unsere Damencrew steuert den Zeppelin souverän und mit spürbarer Freude. Schnell merkt man: Hier sind Profis am Werk, die nicht nur fliegen, sondern ihr Luftschiff auch lieben.
Der Blick von oben hat etwas fast Meditatives. Der Bodensee glitzert, die Orte wirken wie kleine Modelleisenbahnlandschaften, und irgendwo zwischen Himmel und Wasser verliert man ganz leicht das Gefühl für Zeit.
Und natürlich gibt es am Ende auch ein Flug-Diplom, das stolz mit nach Hause genommen wird.
Fast ebenso faszinierend wie das Fliegen selbst ist auch das Beobachten von Start und Landung – ein elegantes Zusammenspiel aus Technik und Leichtigkeit.
Nach einem abwechslungsreichen Tapas-Menü und der Rückfahrt mit dem Katamaran nach Konstanz, klingt der Tag entspannt aus. Manche lassen die Eindrücke im Hotel Revue passieren, andere ziehen noch einmal los, um durch Konstanz zu schlendern.
Beim letzten gemeinsamen Abendessen im Steigenberger Inselhotel wird noch einmal gelacht, erzählt und erinnert. Die Erlebnisse werden geteilt, kleine Lieblingsmomente ausgetauscht – und ganz nebenbei entsteht schon ein wenig Wehmut.
Am Donnerstagmorgen heißt es dann Abschied nehmen. Die Sonne zieht heute alle Register und zeigt uns den See nochmal von seiner schönsten Seite. Bevor wir endgültig Abschied nehmen, hält der Heimweg noch einen genussvollen Zwischenstopp für uns bereit: eine Weinprobe mit sechs ausgewählten Bodenseeweinen. In entspannter Atmosphäre wird probiert, verglichen und gefachsimpelt – und wir genießen die herrliche Vorstellung mit musikalischer Begleitung. Ein herrlicher Abschluss der die Geschmacksknospen und die Lachmuskeln gleichermaßen beanspruchte.
Und nun sind wir auf der Rückreise und blicken mit einem Lächeln zurück auf gemeinsame Tage voller Erlebnisse – und fahren ein kleines bisschen reicher nach Hause, als wir losgefahren sind.