Schweizer Bergwelt
Schweizer Bergwelt
Bergsommer in St. Moritz
Auf dem Weg in die Schweiz
Je weiter wir nach Süden kommen, desto schöner werden die Ausblicke. Eine Woche Urlaub liegt vor uns und die Vorfreude steigt mit jedem Kilometer. Wir wollen die Schweizer Berge mit allen Sinnen genießen – von oben über ein Meer aus Gipfeln schauen, sie aus der Kutsche und aus dem Zug von unten bestaunen und einfach mittendrin sein.
Der Wetterbericht verspricht Traumwetter. Während zu Hause die Hitze tobt, freuen wir uns auf angenehme 23 Grad. Und als Katrin zum Kaffee ihre leckeren Muffins serviert, sind wir endgültig angekommen – im Urlaub und im Berggefühl.
Der Höhepunkt der Anreise ist ohne Zweifel die Fahrt über den Julierpass. Satte grüne Wiesen, schroffe Felsen, tiefblaue Seen und ein Himmel wie gemalt – landschaftlich einfach ein Traum. Unser Hotel liegt in traumhafter Lage direkt am See, das Abendessen schmeckt hervorragend. Wir sind bereit für mehr.
Tag 2 – Hoch hinaus
Gut gelaunte Urlauber wollen heute hoch hinaus. Mit der Signalbahn geht es in St. Moritz nach oben, anschließend bringen uns kleine Shuttlebusse zum nächsten Lift. Auf der Corviglia legen wir einen Zwischenstopp ein.
Während ein Teil der Gruppe einfach die grandiose Aussicht genießt, macht sich eine kleine Wandergruppe auf den Weg zu einem Bergsee. Das Wasser ist so blau wie der Himmel, am Ufer blühen Arnika und Enzian. Überall entdecken wir die Behausungen der Murmeltiere – nur die Bewohner selbst lassen sich heute nicht blicken.
Unser Ziel ist der über 3.000 Meter hohe Piz Nair. Oben erwartet uns ein fantastischer Rundumblick. Wir sitzen auf der Sonnenterrasse, genießen ein kühles Bier und ein leckeres Mittagessen. So lässt es sich wirklich aushalten.
Für die Talfahrt probieren wir den Sessellift aus, lassen die Beine über dem Abgrund baumeln und den Fahrtwind um die Nase wehen. Am Nachmittag gestaltet dann jeder sein eigenes Programm. Der See lädt zum Spazieren ein, St. Moritz zu einem mondänen Bummel.
Tag 3 – Berge von unten
Heute sind wir einmal mit einem ganz anderen Verkehrsmittel unterwegs. Mit der Kutsche fahren wir, gezogen von drei PS, gemütlich durch das Rosegtal. Herrliche Lärchenwälder und die hier Arven genannten Zirben säumen den Weg. Immer wieder öffnen sich fantastische Blicke auf den Gletscher und über uns strahlt erneut ein tiefblauer Himmel.
Oben angekommen stärken wir uns mit Schweizer Wurstspezialitäten auf der Terrasse – natürlich mit Gletscherblick. Anschließend geht es zu Fuß noch ein Stück Richtung Gletscher. Bis zur Gletscherzunge schaffen wir es zwar nicht ganz, aber dafür genießen wir später eine Pause am Fluss. Das eiskalte Gletscherwasser bringt unsere Füße zuverlässig wieder auf Normaltemperatur.
Wer jetzt denkt, das sei schon alles gewesen, irrt gewaltig.
Nach der Kutschfahrt zurück ins Tal – die leider etwas abrupt endet – werfen wir noch einen Blick in die beeindruckende Schlucht von Pontresina. Danach wechseln wir erneut das Verkehrsmittel und fahren mit der Standseilbahn auf den Muottas Muragl. Von hier oben blicken wir auf das Val Roseg, durch das wir gerade noch gemütlich mit der Kutsche gefahren sind. St. Moritz liegt uns zu Füßen, Paragleiter starten direkt vor unseren Augen. Nach einem Abendessen über den Wolken – na gut, es war eigentlich nur eine – geht es wieder hinunter ins Tal.
Tag 4 – Zwischen Gletschern und Dolce Vita
Heute bringt uns der Bernina Express von St. Moritz nach Tirano – von den Gletschern direkt ins Dolce Vita.
Schon kurz nach der Abfahrt eröffnet sich der grandiose Blick auf den Morteratsch-Gletscher. Danach geht es über den Berninapass, die höchstgelegene Bahnstrecke der Alpen. Eine atemberaubende Landschaft zieht an uns vorbei. Unterwegs legen wir einen Fotostopp ein, bevor wir schließlich über das berühmte Kreisviadukt bei Brusio – den größten offenen Eisenbahnkreisel Europas – das Veltlin und Tirano erreichen.
Über der Stadt klebt wie ein Schwalbennest das kleine Bergdorf Roncaiola. Die schmale Straße windet sich scheinbar senkrecht den Felsen hinauf, links der Berg, rechts der gefühlte freie Fall. Entsprechend groß ist die Erleichterung, als wir oben ankommen. Zur Belohnung gibt es ein herrliches Menü – und das Zitronensorbet zum Nachtisch ist schlichtweg eine Wucht.
Unser Busfahrer erwartet uns in Tirano. Über den Berninapass geht es zurück nach St. Moritz – diesmal mit vertauschten Rollen. Jetzt beobachten wir den vorbeifahrenden Bernina Express. Am Morteratsch legen wir noch einmal einen kurzen Fotostopp ein. Auf der Bank mit Blick auf den Gletscher hätten es einige von uns durchaus noch länger ausgehalten.
Tag 5 – Und wieder in die Höhe
Heute wartet noch einmal der Corviglia auf uns. Die Sonne lacht, während wir mit der Gondel über das tiefblaue Wasser des Silvaplanersees nach oben schweben. Die Kabine ist so groß wie manches Wohnzimmer.
Oben erwartet uns erneut ein gigantisches Panorama. Der Roseg-Gletscher, den wir vor zwei Tagen noch von unten bewundert haben, liegt jetzt direkt vor uns. Darüber grüßt der Bernina noch einmal rund tausend Meter höher.
Ein letztes Mittagessen mit wahnsinnigen Ausblick für längere Zeit.
Am Nachmittag fahren wir entlang der Seen bis nach Maloja. Direkt hinter dem Ort wollen wir noch einen Blick in das tief eingeschnittene Bergell werfen. Pünktlich dazu beginnt es zu regnen. Deshalb fährt unser Busfahrer direkt bis ans Geländer. Gefühlt hängen wir halb über dem Abgrund. Im Bus wird es schlagartig still. Schweres Atmen, vereinzelte ängstliche Rufe – doch Thomas hat sein Arbeitsgerät fest im Griff. Sicherheitshalber wird anschließend erst einmal eine Runde „Angstschnaps“ verteilt.
Und der eine oder andere ist vermutlich gar nicht so traurig, dass die angekündigte kleine Wanderung buchstäblich ins Wasser fällt.
Am Abend genießen wir noch einmal eines der leckeren Menüs. Inzwischen kennen wir uns alle richtig gut. Aus einer bunt zusammengewürfelten Reisegruppe ist längst eine kleine Reisegemeinschaft geworden.
Und wir freuen uns auf den letzten Tag – der noch einmal ein ganz besonderer Höhepunkt werden soll.
Tag 6 – Zugtag
Heute geht es wieder in den Zug – und zwar nicht irgendeinen. In St. Moritz steigen wir ein, fahren durch eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch und machen zunächst einen Aufenthalt in Filisur, einem kleinen, idyllischen Bahnhof, der eigentlich schon selbst eine Reise wert ist.
Doch dann beginnt das Zugfahren für die Hartgesottenen: im offenen Aussichtswagen. Einmal im Leben muss man das gemacht haben – und unser Tag ist heute gekommen. Also heißt es: Mütze festhalten, Jacke schließen und los geht’s!
Mit Vollgas geht es durch die Tunnel, in denen noch die Kälte des Winters hängt, während die Räder unter uns rhythmisch über die Schienen klackern. Kurz wird das Tempo gedrosselt – und plötzlich öffnet sich mitten im Tunnel der Blick auf einen beeindruckenden Wasserfall. Ein Moment zum Staunen.
Der Wind zaust durch die Haare, der Dieselgeruch liegt in der Nase, die Räder kreischen in den Kurven – und ja, ein leicht feuchter Hintern gehört offenbar zum Abenteuerprogramm dazu. Aber genau das macht den Reiz aus: Man erlebt die Bahn nicht nur mit den Augen, sondern mit allen Sinnen.
Und während der Fahrt trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei der Ankunft in Davos ist der Aussichtswagen plötzlich halb leer. Haben wir unterwegs etwa einige Mitreisende an den Bergwind verloren? Nein – unsere Gruppe hat durchgehalten!
Und am Schluss sind sich alle einig: Es war ein Erlebnis, das man nicht vergisst.
In Davos teilt sich unsere Gruppe. Während die einen den Trubel des mondänen Weltkurortes genießen möchten, zieht es die anderen hinauf auf den Zauberberg, um auf den Spuren von Thomas Mann zu wandeln und ein Stück Geschichte zu entdecken.
Auf der Rückfahrt über den Flüela-Pass legen wir noch eine Pause ein. In einer kargen, fast verwunschenen Berglandschaft genießen wir ein Glas Sekt und stoßen auf eine wunderschöne Reise an. Ein Augenblick, in dem man kurz innehält und denkt: Genau dafür sind wir hier.
Denn morgen heißt es schon wieder Abschied nehmen. Zuvor verwöhnt uns unser Hotel noch mit einem leckeren Abschiedsessen vom Buffet – und macht uns den Abschied damit nicht gerade leichter.
Es war eine wunderbare Woche bei bestem Wetter. Wir nehmen herrliche Panoramen mit nach Hause – gespeichert auf der Netzhaut und sicherheitshalber noch einmal im Handy. Aus einer Reisegruppe sind Reisefreunde geworden.
Bleiben Sie alle gesund – und vielleicht sehen wir uns schon bald wieder auf einer Reise mit Schumanns.
Ihre Reiseleiterin Katrin und Ihr Busfahrer Thomas
Hier geht's zur Reise: Engadiner Traumsommer in St. Moritz - Schumann-Reisen