Silvestergala in Dresden
Große Gala im Bilderberg Bellevue
Tag 1 – Es geht los
In der Nacht vor unserer Anreise hat sich der Winter heimlich, still und leise – na gut, eher sichtbar – eingeschlichen. Vier Zentimeter Neuschnee genügen, um unseren Start mit einer halben Stunde Verspätung zu veredeln. Doch niemand lässt sich davon die Laune verderben: Mit Gelassenheit, Erfahrung und warm eingepackt rollen wir los. Unser erstes Ziel, das Schloss Pillnitz, erreichen wir trotzdem pünktlich. Dort begeben wir uns bei einer Führung auf eine kleine Zeitreise. In der Hofküche bestaunen wir funkelndes Kupfergeschirr und mächtige Öfen, in denen einst für den sächsischen Hof köstliche Speisen schmorten. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie es hier früher geduftet und geschäftig zugegangen sein muss. Im Schloss selbst ist es fast genauso frostig wie draußen im Garten – allerdings schenkt uns draußen die Sonne wenigstens zeitweise ihre wärmenden Strahlen und wärmt uns den Rücken. Der Garten liegt im Winterschlaf, still und ein wenig verträumt. Nur die berühmte Kamelie sammelt im beheizten Glashaus bereits Kraft für ihre Blüte im Frühjahr.
Wir hingegen freuten uns auf etwas ganz anderes: den Umstieg auf den Elbdampfer. An Bord des gut geheizten Schaufelraddampfers taute das Leben rasch wieder in Fingern und Füßen auf. Während das winterliche Elbtal gemächlich an uns vorbeizog, gönnten wir uns heißen Kaffee und ein Stück Dresdner Eierschecke – eine Kombination, die zuverlässig für Wohlbefinden sorgt. Dresden erreichten wir diesmal also ganz stilvoll auf dem Wasserweg. Am Anleger wartet bereits der nächste Stadtführer auf uns. Mit viel Wissen und spürbarer Begeisterung nimmt er uns mit durch die über 800-jährige Geschichte Dresdens. Wir lassen uns gern „breitschlagen“ und lauschen aufmerksam. Als wir schließlich bei Dunkelheit im Hotel einchecken, sind wir historisch bestens gerüstet. Nach dem Zimmerbezug und einer kurzen Verschnaufpause geht es auch schon wieder los – nur um die Ecke, in die Brauerei Watzke, wo ein wohlverdientes Abendessen auf uns wartet.
Tag 2 – Silvester
Nach dem Frühstück stand Görlitz auf dem Programm. Und irgendwie passend zum Jahreswechsel begann es pünktlich zur Stadtführung dicke Schneeflocken zu schneien. Innerhalb einer Stunde verwandelte sich die Stadt in einen echten Wintertraum. Unser Stadtführer zog trommelnd vor uns her, und wir folgten ihm wie die Kinder dem Rattenfänger von Hameln. Das Trommeln zog neidische Blicke anderer Gruppen auf sich – kein Zweifel, wir hatten den besten Stadtführer der Stadt erwischt. Mit Herz auf der Zunge erzählte er von der glanzvollen Vergangenheit Görlitz’, aber auch von den Dingen, die heute in unserer Welt nicht ganz rund laufen. Offen, ehrlich und berührend. Die Rückfahrt erfolgte über die inzwischen schneebedeckte A4. Ein heißer Kaffee wärmte uns langsam wieder auf, und ein echter Pulsnitzer Lebkuchen sorgte dafür, dass auch die Lebensgeister zurückkehrten – schließlich sollte es noch ein langer Tag werden. Wie haben Sie den Nachmittag verbracht? In freudiger Erwartung der Silvesterfeier am Abend? Bei einem letzten Bummel entlang der Elbe – denn so schnell kommt man schließlich nicht wieder nach Dresden? Oder doch lieber mit einem kleinen Päuschen, um Kräfte für den Abend zu sammeln? Ich selbst entschied mich für einen Saunagang und genoss anschließend den Blick vom Pool hinüber zur Elbe – ein wunderbar ruhiger Moment vor dem großen Jahreswechsel.
Silvesterabend – Glanzvoller Abschied vom alten Jahr
Am Abend verwandelt sich unser Hotel endgültig in eine festliche Bühne für den Jahreswechsel. Der Gala-Abend steht an, und man merkt sofort: Alle haben sich dafür herausgeputzt. Elegante Kleider, schicke Jacken, funkelnde Accessoires – ein schöner Beweis dafür, dass festliche Anlässe zeitlos sind und Stil kein Alter kennt. Der Saal ist liebevoll geschmückt, stimmungsvolles Licht taucht den Raum in warmes Gold, und man spürt diese besondere Mischung aus Vorfreude, Erwartung und ein klein wenig feierlicher Aufregung. Die ersten Töne der Liveband erklingen, Gespräche werden lebhafter, Gläser klingen, und langsam kommt der Abend in Schwung. Zwischen den einzelnen Gängen lässt sich die Küche Zeit – sehr viel Zeit. Manch einer blickt zwischendurch etwas sehnsüchtig Richtung Nachbartisch oder studiert die Menükarte ein weiteres Mal. Doch Geduld ist bekanntlich eine Tugend, und sie wird belohnt: Die Speisen kommen dekorativ angerichtet auf den Tisch, sind geschmacklich fein abgestimmt und machen das Warten schnell vergessen. Spätestens beim reichhaltigen Dessertbuffet und dem üppigen Mitternachtsbuffet ist klar: Heute Abend geht hier niemand hungrig ins neue Jahr. Süß, herzhaft, verspielt und klassisch – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Eine Liveband sorgt für gute Stimmung, Tanzlustige kommen auf ihre Kosten, andere genießen einfach Musik, Gespräche und den besonderen Moment. So gleiten wir beschwingt und fröhlich durch den Abend. Kurz vor Mitternacht richtet sich der Blick dann nach draußen. Direkt vom Hotel aus genießen wir das Silvesterfeuerwerk über Dresden – und was für eines! Der berühmte Canalettoblick liegt uns zu Füßen, die Elbe spiegelt die bunten Lichter, und über der Altstadtsilhouette explodieren Farben und Funken. Ein beeindruckendes Schauspiel, das für einen Moment alle Gespräche verstummen und uns einfach nur staunen lässt. Nach diesem beeindruckenden Lichterspektakel war für viele der perfekte Moment erreicht, den Abend gemütlich ausklingen zu lassen und dem neuen Jahr ausgeschlafen entgegenzugehen.
Neujahrstag
Der erste Morgen des neuen Jahres beginnt angenehm entspannt. Ein ausgedehntes Langschläferfrühstück lädt dazu ein, ohne Eile in den Tag zu starten. Frischer Kaffee und knusprige Brötchen sorgen dafür, dass auch die letzten Spuren der Silvesternacht sanft verblassen. Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Grünen Gewölbe. Dort tauchen wir ein in eine Welt aus Gold, Edelsteinen und meisterlicher Handwerkskunst. Die prachtvollen Ausstellungsstücke ziehen uns in ihren Bann und lassen erahnen, mit welchem Aufwand und welcher Liebe zum Detail hier über Jahrhunderte hinweg gesammelt wurde. Ein Besuch, der immer wieder aufs Neue beeindruckt. Im Anschluss gönnen wir uns eine typisch sächsische Kaffeepause – mit Kaffee, der diesen Namen verdient, und einem leckeren Stück Torte. Eine genussvolle Stärkung, die wir gut gebrauchen können, denn der kulturelle Höhepunkt des Tages steht noch bevor. Am Nachmittag nehmen wir Platz in der Semperoper, deren prachtvoller Rahmen allein schon ein Erlebnis für sich ist. Goldene Ornamente, samtige Rottöne und die besondere Atmosphäre dieses Hauses stimmen uns auf einen festlichen Konzertnachmittag ein. Das Programm bietet einen gelungenen Wechsel aus bekannten Melodien, schwungvollen Stücken und Arien aus berühmten Opern, die vielen von uns sofort vertraut sind. Mal beschwingt, mal feierlich, dann wieder ganz zart – die Musik nimmt uns mit und lässt Raum zum Genießen und Wiedererkennen. Diese musikalischen Ohrenschmeichler entfalten ihre volle Wirkung in diesem würdigen Rahmen, und die Begeisterung im Saal ist spürbar. Langanhaltender Applaus zeigt, wie sehr das Konzert berührt hat. Ein festlicher, klangvoller Start ins neue Jahr, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Heimreise – Winter, Wind und ein kleines Wunder
Bei der Abreise schenkt uns die Sonne noch ein paar goldene Strahlen – allerdings nur kurz. Unsere Route führt uns durch das Erzgebirge, vorbei am Fichtelberg, und schließlich wieder Richtung Heimat. Schon auf der Autobahn machen sich die ersten Böen des angekündigten Orkans bemerkbar. Der Bus schaukelt ordentlich, draußen gleitet eine weiße Winterlandschaft an uns vorbei. Leichte Schneeverwehungen bringen unseren Fahrer nicht aus der Ruhe – und dann gelingt ihm sogar ein kleines Wunder: Unser Bus mit 3,70 Metern Höhe wird souverän unter einer Brücke hindurchmanövriert, die offiziell nur 3,60 Meter misst. Ein letztes gemeinsames Mittagessen auf dem Gipfel, ein schneller Blick in die winterliche Ferne – und dann heißt es endgültig Abschied nehmen. Im Gepäck: viele schöne Erinnerungen, herzliche Gespräche und das gute Gefühl, gemeinsam einen besonderes Jahreswechsel erlebt zu haben. Von all den funkelnden Eindrücken aus Dresden, vom winterlich verzauberten Görlitz, von schönen Momenten bei Kaffee und Kuchen verabschieden wir uns nun. Wir haben das alte Jahr mit einem glanzvollen Gala-Abend verabschiedet, das erste Glitzern des neuen Jahres bei einem Besuch im Grünen Gewölbe genossen und schließlich mit Musik in der Semperoper die ersten Töne des neuen Jahres auf uns wirken lassen. So nehmen wir nicht nur Erinnerungen, sondern auch ein kleines Stück Dresdner Zauber mit nach Hause – hoffentlich ein Glücksbringer für die kommenden 365 Tage. Möge das neue Jahr genauso strahlend, genussvoll und überraschend sein wie unsere Reise und mögen wir alle noch lange von diesen Momenten zehren – mit einem Lächeln und einem warmen Herzen.
Katrin Ziehm