Reiseberichte St. Moritz

St. Moritz

Sommer in St. Moritz

Engadin – zwischen Gletschern, Seen und 3.500 Whiskysorten  

Schon die Anreise ab Thüringen wurde immer schöner. Über den herbstlich gefärbten Julierpass ging es vorbei an Kunst am Wegesrand, dem wohl höchsten 3D-Turm der Welt und einem Theaterzelt mitten in der Bergwelt. Und dann waren sie da: die tiefblauen  Seen, die uns bei strahlendem Sonnenschein im  Engadin empfingen. Unser Hotel liegt direkt am St. Moritzersee – schöner kann eine Woche wohl kaum beginnen. Die Vorfreude auf viele gemeinsame Erlebnisse war groß.

Und dann hieß es: Einsteigen in den Bernina Express!

Bei Kaiserwetter machten wir uns auf eine der schönsten Bahnreisen der Welt. Hinter jeder Kurve öffnete sich ein neuer traumhafter Ausblick und das ein Zug zum Fotostop anhält hat man auch nicht alle Tage. In Tirano angekommen, zeigte ich meinen Gästen unser nächstes Ziel: Roncaiola. Wie ein Adlerhorst klebt das kleine Dorf hoch über den Dächern von Tirano. Die Auffahrt dorthin? Sagen wir mal: abenteuerlich. Oben angekommen wurden wir mit einem leckeren Menü und anschließendem italienischem Eis belohnt – auf Wunsch natürlich auch mit einem kleinen Schuss. Dazu der weite Blick über das Tal, sommerliche Temperaturen und ein Gläschen Wein. Hier hätte man es durchaus noch ein bisschen länger aushalten können. Zurück ging es mit dem Bus – abermals über den Berninapass. Jetzt sahen wir die berühmten roten Züge einmal aus einer ganz anderen Perspektive. Am Morteratschgletscher legten wir noch einen Stopp ein und genossen den Panoramablick mit einem Glas Sekt. Blauer Himmel, weißer Gletscher, sattes Grün der Zirben und Lärchen – und mittendrin der rote Zug, der durchs Bild fährt. Ein Postkartenmotiv, das sich ganz ohne Photoshop vor uns auftat. Hier hätte die Reiseleiterin einfach sitzen bleiben können.

Hoch hinaus auf den Piz Nair

Am nächsten Tag ging es hoch hinaus. Unser Ziel: der Piz Nair auf 3.049 Metern. Erst mit dem Lift, dann weiter mit dem Shuttlebus. Wer am Vortag die Auffahrt nach Roncaiola schon abenteuerlich gefunden hatte, wurde heute eines Besseren belehrt. Aus Platzmangel wurden sogar Sitzplätze im Kofferraum kreativ genutzt. Als Reiseleiterin nennt man das – Abenteuer inklusive.

An der Mittelstation unternahmen wir eine kleine Runde zu einem idyllischen Wasserspeicher. Wer nicht mitwandern wollte, genoss einfach die Sonne und den herrlichen Blick ins Tal. Dann ging es ganz nach oben. Und dort wurde die Aussicht noch einmal eine Nummer größer. Bei 3.049 Metern schauten wir weit über die Bergwelt – und bei einem Blick um die Ecke zeigte sich sogar in der Ferne das Matterhorn. Mittagessen in dieser Höhe, strahlender Sonnenschein und eine Aussicht, die einem fast den Atem raubt – so lässt es sich aushalten. Zurück ins Tal ging es wieder mit dem Lift. Und einige ganz hartgesottene Reisegäste wanderten sogar mit mir zurück zum Hotel. Durch das romantische Corviglia, vorbei an schönen alten Häusern, durch einen alten Zirbenwald und entlang des idyllischen Moorsees. Danach schmeckte das Abendessen gleich noch ein bisschen besser.

St. Moritz, Torten und drei PS

Wieder strahlend blauer Himmel und  spätsommerliche Temperaturen. So starteten  wir unseren Spaziergang durch St. Moritz. Hier läuft man natürlich nicht einfach ins Dorf  hinauf – man fährt standesgemäß mit einer  schier endlosen Rolltreppe nach oben und steht  plötzlich mitten in der City.

Die Herren hatten vorsorglich ihr Portemonnaie im Hotel gelassen. Sehr vernünftig. So blieb uns Damen nur der Blick in die Schaufenster. Unser eigentliches Ziel war ohnehin das Highlight von St. Moritz: vorbei am ehrwürdigen Café Hanselmann mit seiner wunderschönen Engadiner-Sgraffito-Fassade ging es zum schiefen Turm. Und der ist tatsächlich schiefer als sein berühmter Kollege in Pisa.

Am Nachmittag wechselten wir vom Bus in die Kutsche und ließen uns mit gemütlichen drei PS durch das traumhafte Val Roseg ziehen. Unsere tollen Kutscherinnen erzählten unterwegs mit viel Begeisterung von ihrer Liebe zum Tal und zu den Tieren. Am Ende des Val Roseg öffnete sich vor uns die Hochgebirgswelt der Berninagruppe. Der Roseggletscher und das Berninamassiv lagen zum Greifen nah vor uns. Die Kameras klickten – und wir waren froh, uns nicht mehr wie früher auf 36 Bilder pro Film beschränken zu müssen. Einige wanderten ein Stück Richtung Gletscher, andere kühlten die Füße im kalten Gletscherwasser, wieder andere genossen einfach nur den Blick. Beim anschließenden Kaffeetrinken wartete dann die wohl schwierigste Aufgabe des Tages: Aus dem Tortenangebot ein Stück aussuchen. Eine Entscheidung, die sich erstaunlich lange hinziehen konnte. Aber unser Tag war noch lange nicht zu Ende. Nach einem Blick in die Schlucht von Pontresina – zu der ich meine Gäste tatsächlich ein wenig überreden musste – ging es hinauf auf den Muottas Muragl. Bei strahlendem Sonnenschein lagen die Engadiner Seen unter uns wie Perlen aufgereiht. Dazu ein schmackhaftes Dinner, guter Wein, gute Laune und viel Gelächter. Und als Krönung schenkte uns die Natur einen Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch. Später leuchtete es noch einmal über den Bergen. Ein abendliches Wetterleuchten kündigte den Wetterwechsel für Mittwoch an.

Mittwoch – zwischen Wolken und Gletschern  

Ganz so schlimm wie angekündigt wurde es dann aber doch nicht. Als wir morgens in den Bus stiegen, schaute sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor. Unser Ziel: der Corvatsch – der höchste Berg, den wir auf dieser Reise besuchten. Je höher wir fuhren, desto schöner wurde die Aussicht. Die Seen leuchteten türkisblau und schienen mit dem Himmel um die schönere Farbe zu wetteifern. Die Wolken hingen wie Wattebäusche an den Berggipfeln. Oben angekommen, lag die Aussicht auf Roseg und Bernina unmittelbar vor uns. Das Bergpanorama schien zum Greifen nah. Dann wechselten wir auf die andere Seite des Gipfels und betrachteten bei einem Gletscherplättli das ständig wechselnde Panorama. Von null Sicht bis freier Blick ins Tal war alles dabei. Als wir schließlich wieder in die Bahn stiegen, war die Sicht komplett verschwunden. Wir schwebten durch den Nebel nach unten. Unten war inzwischen der versprochene Regen angekommen. Der Nachmittag wurde deshalb etwas ruhiger: ein gutes Buch, nette Gespräche, der Blick auf den See – und natürlich die Vorfreude auf das Abendessen.

Donnerstag – auf den Spuren des Zauberbergs

Heute waren wir wieder mit dem Zug unterwegs. Von St. Moritz ging es nach Davos – auf einer der schönsten und interessantesten Bahnstrecken der Welt. Trotz der kühlen Temperaturen saßen einige ganz harte Jungs im offenen Waggon und ließen sich den Wind um die Nase wehen. Der Rest der Reisegruppe machte es sich in der Holzklasse gemütlich. Wir reisten ein bisschen wie in alten Zeiten. Selbst die Zugtoilette erlaubte noch den Blick aufs Gleisbett – Eisenbahnromantik in ihrer ganz besonderen Form. In Davos trennten sich dann kurz die Interessen. Ein Teil unserer Gruppe blieb in der Vergangenheit und begab sich auf die Spuren von Thomas Mann und den berühmten Zauberberg. Wir bestachen das Zimmermädchen und bekamen so sogar die Kaisersuite geöffnet. Die langen Flure versetzten uns zurück in eine Zeit, als hier noch Tuberkulosepatienten behandelt wurden. Sogar die alte Telefonschaltzentrale ist erhalten geblieben. Man konnte sich tatsächlich sehr gut vorstellen, wie das Leben hier einst ausgesehen haben muss. Das entschädigte uns sogar ein wenig für den fehlenden Ausblick: Die Wolken hatten den Zauberberg in ein geheimnisvolles Grau gehüllt. Heimwärts ging es mit dem Bus über den Flüelapass – erst rund 1.000 Höhenmeter hinauf und anschließend wieder hinunter. Viel zu schnell war diese Woche vergangen. Nach dem letzten gemeinsamen Abendessen wurde natürlich noch einmal die Hotelbar besucht. 3.500 Whiskysorten warten dort auf neugierige Gäste. Wir werden also wohl noch einmal wiederkommen müssen.

Und plötzlich ist schon wieder Abschied. Was für eine Woche!  

Spätsommerliches Wetter – oder war es vielleicht schon Altweibersommer? Wenn ja, dann hätten wir uns den Zeitpunkt für diese Reise wohl kaum besser aussuchen können. Wir haben Berge und Gletscher gesehen, Seen bestaunt, sind mit Bahn, Lift und Kutsche unterwegs gewesen, haben gewandert, gelacht, gegessen, angestoßen und uns immer wieder von dieser beeindruckenden Landschaft überraschen lassen. Aber das Schönste an einer Reise sind am Ende gar nicht die Gipfel, die Gletscher oder die schönsten Fotomotive. Es sind die Menschen, mit denen man all das erlebt. Und unsere Reisegruppe ist im Laufe dieser Woche immer mehr zusammengewachsen. Aus vielen einzelnen Gästen wurde eine Gemeinschaft, in der gelacht, geholfen, gewartet, erzählt und gemeinsam gestaunt wurde. Vielleicht ist genau das das schönste Souvenir dieser Reise: nicht nur die Bilder auf der Kamera, sondern die vielen gemeinsamen Momente, die im Kopf und im Herzen bleiben. Und wenn uns dann irgendwann der Alltag wieder einholt, bleibt die Erinnerung an türkisfarbene Seen, schneebedeckte Gipfel, den roten Bernina-Zug – und an eine Woche, die einfach rundum gutgetan hat.

Danke, dass Sie diese Reise mit mir gemeinsam erlebt haben.Ich hoffe, wir nehmen alle ein kleines Stück Engadin mit nach Hause. Und wer weiß – vielleicht sitzen wir ja tatsächlich irgendwann wieder gemeinsam an der Hotelbar und arbeiten uns durch die nächsten der 3.500 Whiskysorten.

Bis dahin: Bleiben Sie reiselustig, neugierig und vor allem gesund!

Ihre Reiseleiterin  

Katrin

Die schönsten Bilder unserer Reise im September 2026

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