Wildes Rumänien
Unsere Rumänienreise 2026
Ein Reisebericht von Katrin Ziehm
Rumänien – eine Reise voller Begegnungen, Überraschungen und kleiner Abenteuer
Mit einer kleinen, feinen Gruppe von acht Personen ging es diesmal durch Rumänien. Und wie es sich für eine Reise gehört, war schon der erste Tag voller kleiner Geschichten.
Tag 1 – Ankommen in Siebenbürgen
Schon am frühen Vormittag erreichen wir Brașov. Der Sommer empfängt uns freundlich. Kaum im Bus unterwegs, die erste Warnung auf dem Handy: Bärenalarm – bitte im Haus bleiben. Aber wir sind ja nicht zum Drinnenbleiben hier. Bei herrlichem Wetter fahren wir mit dem Lift auf die Schulau, den Hausberg von Poiana-Brașov, und genießen den wunderbaren Blick über die Stadt und die Landschaft. Zugegeben: Ein kleines bisschen unvorbereitet sind wir – die Wanderstöcke liegen noch sicher verstaut im Koffer. Aber auch der steinige und stellenweise steile Rundweg wird von allen mit Bravour gemeistert. Am Abend folgt dann eine Meisterleistung der ganz anderen Art: unser Menü. Unglaublich lecker und so reichlich, dass wir schließlich sehr zufrieden und satt in unsere Betten fallen.
Tag 2 – Natur pur
Unser Busfahrer nimmt es mit dem direkten Weg nicht ganz so genau und verfährt sich ein wenig. Dadurch kommen wir zwar eine gute Stunde später am Treffpunkt an, entdecken aber unterwegs Ausblicke, die wir sonst wahrscheinlich verpasst hätten. Danach wandern wir durch die beeindruckende Zărnești-Schlucht. Zum Mittagessen geht es anschließend in die Pension unseres heutigen Begleiters – ein waschechter Siebenbürger. Eine kleine Pause mit herrlichem Ausblick inklusive. Am späten Nachmittag heißt es dann: Auf zur Bärenjagd! Natürlich nur mit Fotoapparat. Nach einer langen, holprigen Anfahrt werden wir belohnt: Fünf Bären und sogar ein Fuchs zeigen sich uns.
Tag 3 – Kultur pur
Das Frühstücksbuffet ist ein Erlebnis für sich. So eine Vielfalt findet man nicht alle Tage. Also nochmal richtig stärken, denn eine lange Strecke liegt vor uns. Wir fahren mitten hinein ins Herz Siebenbürgens, zu den berühmten Kirchenburgen – einzigartigen Zeugen der Vergangenheit. Eine Siebenbürger Sächsin erzählt uns ihre Geschichte und ihr Deutsch ist dabei vermutlich besser als unseres. Wir besuchen Schäßburg und essen anschließend im Jugendzentrum von Biertan ein extra für uns gekochtes Menü. Einige sind sich sicher: Das beste Risotto überhaupt! Natürlich werfen wir auch einen Blick hinter die Kulissen des Zentrums. Die urigen Schlafräume der Herberge erinnern ein bisschen an früher – nicht alles ist perfekt, aber genau das macht es so sympathisch. Man fühlt sich sofort irgendwie willkommen. In der Kirchenburg erzählt uns spontan ein junger Mann von der Geschichte des Ortes. Offen, freundlich und ohne große Inszenierung – so wie viele Menschen, die wir hier kennenlernen. Und irgendwie ist es ein besonderer Moment: Man ist weit weg von zu Hause, betritt eine kleine Dorfkirche – und hört plötzlich Menschen sprechen wie wir. Kleine handgefertigte Mitbringsel wechseln den Besitzer, die Landschaft mit ihren sanften Hügeln lädt zum Bleiben ein. Eigentlich möchten wir gar nicht weiterfahren.
Tag 4 – Von Dracula und Königinnen
Wieder dieses wunderbare Frühstücksbuffet – obwohl wir vom Vorabend eigentlich noch satt sind. „Großmutters Topf“ hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Über Nacht hat sich der Sommer verabschiedet und der Herbst Einzug gehalten. Regen begleitet uns auf dem Weg nach Bran. Die Handys beginnen wieder hektisch zu brummen: Bärenalarm? Nein – diesmal eine Warnung vor Sturm und Gewitter. Unser Ziel: Schloss Bran. Bekannt als Draculas Zuhause, zeigt es sich in Wahrheit vor allem als Lieblingsort der Königin Maria. Ein kleines, romantisches Schloss, liebevoll eingerichtet, mit herrlichen Ausblicken. Bei so viel Knoblauch im Garten hätte Dracula vermutlich sowieso einen großen Bogen darum gemacht. Aber natürlich gehört der Graf zur Geschichte Transsilvaniens – und ganz oben unter dem Dach bekommt er seine eigene kleine Ecke. Und nicht zu vergessen: Schlossgespenst Edda, das durch die Geheimgänge huscht. Der angekündigte Sturm? Bleibt zum Glück aus.
Tag 5 – Bukarest
Wir rollen Richtung Bukarest. Zum Glück in diese Richtung – denn die Bukarester fahren gerade alle ins Wochenende in die Berge. Eine endlose Autokolonne begleitet uns. In der Hauptstadt erwartet uns Christian, unser Stadtführer. Mit ihm entdecken wir die vielen Gesichter der Stadt: prachtvolle Gebäude aus königlicher Zeit, monumentale Bauten aus kommunistischer Ära und das moderne Bukarest von heute. Glasfassaden stehen neben liebevoll restaurierten Altbauten, dazwischen findet man noch alte Substanz, die hoffentlich noch lange erhalten bleibt. Am Abend genießen wir ein Essen mitten im Trubel der Stadt. Die Straßen sind voller junger Menschen, Musik kommt aus jeder Ecke – Großstadtleben pur.
Tag 6 – Auf ins Donaudelta
Die laute Musik scheint tatsächlich zu Rumänien zu gehören. Auch beim Abendessen im Donaudelta müssen wir wieder sehr laut reden, damit wir uns verstehen. Die bestellte Mayonnaise und der Ketchup kommen übrigens genau passend – nämlich als wir fertig sind. Aber wir nehmen es mit Humor. Schließlich wurden wir in den Karpaten kulinarisch mehr als verwöhnt. Am Abend ein singt uns ein gigantischer Froschchor in den Schlaf. Dafür hat sich jeder Kilometer gelohnt.
Tag 7 – Mitten im Delta
Beim Frühstück schaut die Hundegang aufmerksam zu. Jeder Bissen wird verfolgt – vielleicht fällt ja doch etwas ab. Mit dem Boot geht es kreuz und quer durch das Delta. Morgens noch Regen, aber auch das hat seinen Reiz. Pelikane zeigen sich, sogar zwei Seeadler lassen sich blicken. Am Nachmittag dann Sonnenschein – das Delta zeigt uns beide Seiten.
Die Wassermassen der Donau, die auf ihrer langen Reise durch Europa hier zusammenkommen, sind beeindruckend. Unser Ziel ist Mila 23, ein kleines Dorf mitten im Delta und nur per Boot erreichbar. Dort wartet eine köstliche Fischsuppe auf uns. Vom Aussichtsturm genießen wir noch einmal den Blick über das Wasser und die endlose grüne Landschaft. Auf dem Abendspaziergang erkunden wir noch die Umgebung unseres Hotels: Kühe schlendern über die Dorfstraße, Hunde treffen sich zur abendlichen Versammlung – und alle wissen: Gleich gibt es Abendessen. Noch ein Blick auf die Kirche mit glänzendem Blechdach, ein Bummel durch den Dorfkonsum und ein Himmel voller Regenwolken. Dorfleben pur.
Tag 8 – Richtung Schwarzes Meer
Fast fliegen wir über die Donau und werfen letzte Blicke auf das Delta. Ein Pelikan träumt noch vor sich hin, aber heute wird kein Fotostop eingelegt. Für uns geht es heute auf die letzte Station der Reise. Zurück vom Wasser auf die Straße. Dann die Überraschung: 40 Kilometer vor Constanța möchte unser Bus nicht mehr. Aber rumänische Improvisationskunst funktioniert: Schnell kommt ein Ersatzbus. Der Fahrer gibt akustisch alles – man könnte meinen, der sagenhafte Bierkutscher sitzt am Steuer. Der Bus dagegen gibt nicht ganz so viel her und kämpft bergauf tapfer mit der Geschwindigkeit. Aber wir kommen an. In Constanța wartet ein leckeres Mittagessen auf uns und sofort sind wir wieder im Urlaubsmodus. Mit unserer Stadtführerin entdecken wir die Altstadt, steigen auf das Minarett der Moschee und bewundern das schönste Gebäude am Schwarzen Meer: das Kasino. Den Abend verbringen wir in Mamaia. Ein tolles Hotel, dass an diesem Abend gefühlt nur für uns geöffnet hat, eine kleine gesellige Runde und das Gefühl: Wir sind längst mehr als nur eine Reisegruppe.
Tag 9 – Abschied am Meer
Gerade jetzt, wo wir so eine schöne Gemeinschaft geworden sind, heißt es schon fast Abschied nehmen. Ein großes Dankeschön an die vier Freunde, die den Rest der kleinen Gruppe so herzlich aufgenommen und integriert haben. Der letzte Tag gehört jedem selbst: Sonnenbad, Strandspaziergang oder ein Sprung ins Schwarze Meer – bei angenehmen 22 Grad Wassertemperatur. Zeit, die vielen Eindrücke noch einmal wirken zu lassen, bevor es morgen wieder nach Hause geht. Eine Reise mit Bären, Bergen, Burgen, Booten – und vor allem mit vielen Begegnungen, die bleiben.
Und zum Schluss bleibt nur noch eines zu sagen: Danke.
Danke an meine kleine, wunderbare Reisegruppe für das gemeinsame Lachen, die Geduld bei kleinen Umwegen und Pannen, die Neugier auf Land und Leute und die vielen schönen Momente unterwegs. Mit acht Menschen unterwegs zu sein bedeutet, dass man sich schnell näherkommt – und genau das ist passiert. Aus einer Gruppe Reisender wurde eine kleine Gemeinschaft, die miteinander entdeckt, gestaunt, genossen und manchmal auch über die kleinen Widrigkeiten des Reiselebens geschmunzelt hat. Ich nehme viele besondere Erinnerungen mit nach Hause: an beeindruckende Landschaften, herzliche Begegnungen, gutes Essen, überraschende Momente – und an eine Reise, die sicher noch lange nachklingen wird. Danke, dass ihr dabei wart.